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Neue jüdische Monatshefte · 1917-02-25 · Heft 10 (25.2.1917) · p. Seite 273

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 10 (25.2.1917)
Article
Jüdische Kolonisation in Syrien
Date
1917-02-25
Page
Seite 273 (sequence 5)
Language
German
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273 Durch Nichtbeachtung dieser dem oberflächlichen Blick verborgenen Eigenschaften nimmt man fast allgemein an, daß dem Lande nur durch großzügige Bewässerungen geholfen werden könnte. Dies ist aber ein völliger Irrtum für Syrien und Palästina. Schon im Deuteron, im 11. Kap. Vers 10/11 heißt es ausdrücklich von dem Lande der Verheißung, dem Lande zwischen Euphrat und dem Bach Ägyptens, dem heutigen Syrien mit Palästina: „Das Land, da du hinkommst es einzunehmen, ist nicht wie Ägyptenland, davon ihr ausgezogen seid, wo du das Land nach der Aussaat wie einen Gemüsegarten durch Schöpfräder selbst bewässern mußtest, sondern es hat Berge und Auen, die der Hegen und Tau vom Himmel tränkt/' Deshalb muß auch die Hebung der türkischen Landwirtschaft zuerst in Syrien und Palästina einsetzen, und es ist ganz verkehrt, daß immer die großen Bewässerungsprojekte des unteren Mesopotamiens oder der Bagdadbahn als erste Notwendigkeiten für die Hebung der türkischen Landwirtschaft hingestellt werden. Diese Anlagen erfordern die Aufwendimg sehr großer Kapitalien, und wenn man sie aufgewandt hat, so ist noch nichts geholfen, wenn nicht, gleichzeitig auch eine entsprechend starke Besiedlung einsetzt. Ohne zahlreiche Menschen, die die teuren Bewässerungsanlagen intensiv ausnutzen und in Stand halten können, würden sie bald verkommen und die Beduinen das Land wieder als Weidegründe in Beschlag nehmen. Wer jene Geheimnisse des Landes und der syrischen Aekerkultur. besonders das der beinahe ans Wunderbare grenzenden, äußerst starken atmosphärischen Berieselung der Bodenschichten oft durch Felsen hindurch bis in große Tiefen hinein nicht kennt, kann unmöglich die Ertragsfähigkeit des Bodens richtig beurteilen. Auf Grund meiner Kenntnisse bin ich mit allen Kennern der Geheimnisse des Landes der Überzeugung, und einzelne Kulturbeispiele durch das ganze Land hindurch beweisen dies aufs schlagendste, daß Syrien mit Palästina im hohen Grade entwicklungsfähig ist und durchaus eine ganz enge kleinhäuerliche oder gärtnerische Siedlung verträgt, ja für eine solche geradezu prädestiniert erscheint. 80 Millionen Menschen haben in Syrien und Palästina mindestens Platz. In diesem von der Natur ganz bevorzugten Lande lebem jetzt kaum 8M> Millionen Menschen. Dies« werden durch eine jüdische Einwanderung in ihrem Erwerbsleben, wie schon die jetzigen Erfahrungen der jüdischen Kolonisation zeigen, nicht gehindert, sondern erheblich gefördert. Und auch die Türkei wird sich jetzt den Standpunkt Friedrichs des Großen aneignen: „,Mensehen erachte für den größten Reichtum4'. Die Türkei hat Geld nötig, ebenso Intelligenzen, Soldaten, sowie förderliche Beziehungen zu anderen Staaten, alles dies jetzt dringender als je zuvor. Das jüdische Volk wird der Türkei dies bringen. Sie würde in den Juden ihre wertvollsten Untertanen haben. Was nun die Eignung der jüdischen verarmten Massen als Kolonisten für Syrien, besonders für die dortige Landwirtschaft, angeht, so liegen hier zwar Schwierigkeiten vor, die aber durchaus überwunden werden müssen und auch zu überwinden sind. Daß der jüdische Bauer,

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