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Neue jüdische Monatshefte · 1917-02-25 · Heft 10 (25.2.1917) · p. Seite 272

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 10 (25.2.1917)
Article
Jüdische Kolonisation in Syrien
Date
1917-02-25
Page
Seite 272 (sequence 4)
Language
German
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272 Jüdische Kolonisten, aus Rußland stammend, haben inzwischen jahrelang dort gearbeitet und bestätigen die günstige Ansieht über das syrische Klima. Selbst in dem heißen Jordantal in Kinereth arbeiten jüdische Arbeiter und Arbeiterinnen seit Jahren bei durchaus befriedigender Gesundheit, wovqju ich mich wiederholt überzeugt habe. Bezüglich der Ertragsfähigkeit der verschiedenen Bodenklassen Syriens muß ich in einer neuen Auflage meiner Schrift meine Ausführungen noch wesentlich im positiven Sinne ergänzen, besonders seitdem ich mich inzwischen überzeugt habe, daß auch Luzerne, die z. .15. für Argentinien eine Hauptquelle seines Reichtums ist, ganz ausgezeichnet in Syrien gedeiht, ohne den ganzen Sommer hindurch bewässert zu werden, und die großen syrischen Hochebenen bis weit in den Osten hinein ohne jegliche Bewässerung auch zur Baumwollkultur hervorragend geeignet sind. Fast die ganze Baumwolle, die bisher in Syrien gebaut wurde, z. B. die bei Itlcb, südlich von Alcppo — das kann man nicht genug unterstreichen — wird ohne jegliche Bewässerung angebaut. Die ungünstigen Urteile mancher Archöologen und Geographen über Syrien-Palästina beruhen darauf, daß das Land von Nichtlandwir.ton, mit westeuropäischem Maßstabe angesehen, allerdings einen vielfach trostlosen Eindruck hervorruft. Das Land hat für uns Westeuropäer soine Geheimnisse. Ich selbst habe, obwohl ich mit der notwendigen wissenschaftlichen und praktischen Ausrüstung da« Land bereiste, beinahe zwei Jahre gebraucht, um erst einigermaßen hinter diese Geheimnisse zu kommen. Es sind hauptsächlich folgende: 1. das Wachstum der Pflanzen im jSommer ohne Regen und Bewässerung; 2. das sporadische Vorkommen von Brunnenwasser während der regenlosen Zeit durch das ganze Land hindurch bis weit in die Steppen und Wüsten des Ostens hinein auf Stellen, die zwar gewisse Vorbedingungen der Bodenschichtung zeigen müssen, aber nur dann Wasser führen, wenn der Boden in der Nachbarschaft dieser Stellen während des Sommers aufgepflügt ist, oder mit Getreide oder Sommorfrüchten bestellt ist. Daß man in den syrischen Steppen fern von jeder menschlichen Ansiedhmg von Zoit zu Zeit auf Feldstücke (besonders Gerste) trifft, hat weniger seinen Zweck in der landwirtschaftlichen Nutzung, die durch die Herden der Beduinen sehr erschwert und beeinträchtigt wird, sondern vornehmlich darin, durch das Offenhalten des Bodens jene Wassersammlung zu ermöglichen; 3. der Ackerbau im großen ohne jegliche Düngung wahrscheinlich seit Jahrtausenden. Dies scheint allen Gesetzen der Bodeustatik zu widerstreiten; 4. das Geheimnis der Naribildung, welches darin besteht, daß dor Boden, sobald er nicht benutzt wird, den darunter befindlichen Boden dadurch vor dem Abschlämmen schützt, daß er an dor Oberfläche verkrustet und nach längerer Zeit steinartigen Charakter annimmt, so daß große Strecken bei Niehtbebaiiung bald den Eindruck der Steppe und Wüste hervorrufen, aber leicht wieder in. bestes Kulturland verwandelt werden können.

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