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Neue jüdische Monatshefte · 1917-02-25 · Heft 10 (25.2.1917) · p. Seite 270

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 10 (25.2.1917)
Article
Jüdische Kolonisation in Syrien
Date
1917-02-25
Page
Seite 270 (sequence 2)
Language
German
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270 seine Landwirtschaft bedeutend intensiver gestaltet wird, wie bisher. Dazu fehlt es aber in erster Linie an Menschen. Sämtliche Völker der "Türkei sind nicht in der Lage, in absehbarer Zeit die erforderlichen Bauern für das menschenleere Syrien zu liefern. Die eigentlichen Türken vermögen nicht einmal die ihnen am nächsten liegenden Gebiete Kleinasiens ausreichend zu besiedeln, viel weniger könnten sie auch an Syrien denken. Tatsächlich gibt es dort fast keine Bauern türkischer Nationalität. Die arabischen nmselmanischen Fellachen, die als seßhafte Bauern und Landarbeiter das Hauptelcment der Bevölkerung Syriens bilden, sind zum größten Teile schon längst nicht mehr die Eigentümer ihres Landes und vielfach völlig verarmt. Die christlichen Fellachen verließen in den letzten Jahren vor dem Kriege teils aus Not. teils um sich der Militärpflicht zu entziehen, in bedeutender Anzahl das Land, um besonders nach den Vereinigten Staaten auszuwandern. Dies«.* alteingeschlossenen Fellachen — es sind in ganz Syrien kaum VA Millionen — zeigen eine sehr geringe oder gar keine Vermehrung. Von anderen Nationen haben sich nur die schwäbischen Bauern auf sechs Kolonien mit einer Bevölkerung von etwa 2000 Seelen im Lande ansiedeln können. Es wird in absehbarer Zeit, eine weitere deutsche Bauernkolonie dort nicht begründet werden. Auch die Ansiedlung von Tscherkessen, Tartaren und anderen muselmanischen Völkern ist nur in geringem Umfange möglich. Dazu kommt noch, daß ein großer Teil Syriens, besonders gerade des Ostjordanlandes, aber auch Nord- und Mittelsyriens, sich seiner steinigen und felsigen Natur nach in erster Linie für Ölbäume, Weintrauben, Feigen und andere Obstbäume eignet; dies aber in so hervorragendem Maße, daß gerade diese Beschaffenheit des Landes die Quelle seines Reichtums bilden muß. Diese großen steinigen Gebiete verfehlen als Getreideland, wozu sie jetzt in kümmerlicher Weise benutzt werden, durchaus ihren eigentlichen Zweck. Mit den genannten Gewächsen und in Verbindung mit Zwisehenkultureii von Gemüse und Luzerne, wobei größere, ebene Flächen mit Cm - treide bebaut werden, können sie jedoch Nährwerte liefern, die unseren besten Böden Deutschlands gleichkommen, wenn nicht noch erheblich übertreffen. Eine Vorbedingung ist aber, daß die Herden der Beduinen von diesen Gebieten fernbleiben. Sie würden die jungen Anpflanzungen nicht aufkommen lassen. Die Beduinen fernzuhalten hat aber auch nur Sinn und ist überhaupt nur durchführbar, wenn genügend Menschen vorhanden sind, die das Land in jeder Weise in intensive Kultur nehmen. Zu dieser intensiveren Kultur gehört aber auch eine intensivere Kapitalaufwendung. Also Menschen und Geld-sind nötig, die großen Steingebiete Syriens ihrer naturgemäßen Bestimmung, ein blühender 01- . und Obstgarten zu sein, zuzuführen. Beides können diesem Lande auf der ganzen Welt nur die Juden liefern. Das steht für jeden Kenner der Verhältnisse fest. Somit haben wir also auf der einen Seite eine bedeutende Volksschicht, die nach Syrien auswandern muß, auf der anderen Seite sowohl einen Staat als ein Land, dessen Notwendigkeiten ihre Aufnahme vor-

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