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Neue jüdische Monatshefte · 1917-02-10 · Heft 9 (10.2.1917) · p. Seite 259

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 9 (10.2.1917)
Article
Streiflichter über jüdische Religion und Wissenschaft
Date
1917-02-10
Page
Seite 259 (sequence 4)
Language
German
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259 vermag, wird erkennen müssen, daß sie unabsehlich gesteigert wird durch eine so komplizierte Nebenfrage, bei welcher Rasse und Religion mitsprechen, und die Nebenfrage leicht in die Hauptfrage umwandeln. Wenn nun ferner aber sogar nicht nur der christliche, sondern der erst Christ gewordene Bewerber dem jüdischen Bewerber, wie allermeist üblich, vorgezogen wird, so tritt eine neue Gefahr an die Universitäten heran, über die ich bei diesem Anlaß meine Meinung nicht verschweigen darf. Wir brauchen an den Universitäten nicht nur gründliche und schöpferische Gelehrte, sondern auch Charaktere von sozialer Gesinnung in den Konflikten der Politik, welche für die Wissenschaft zumeist zur sozialen Politik sich zuspitzt. Die Universität ist das Flußbett des Volkes für die Freiheit und Reinheit der Wissenschaft und für die Echtheit der nationalen Gesittung. Macht die Professoren zu Knechten der jeweiligen Politik, die überall mit dem Ständestaat zu ringen hat, und Ihr unterbindet die Hauptquelle der geistigen und sittlichen Volkskraft. Ich muß auch vom Juden reden, den Ihr durch Eure Verwaltung des Rechtstaates zum Ubertritt verführt. Der Jude, der bei dem heutigen Widerspruch zwischen der durch die Verfassung gewährleisteten Rechtsgleichheit und ihrer Handhabung durch die Verwaltung, sowie deren Nachleben in den höheren Volksschichten, zur herrschenden Religion übergeht, der enthebt sich mitleidlos seiner Zusammengehörigkeit mit Geburtsgenossen, die in seinem Gefühle fortleben muß, wenn er überhaupt Gemüt hat. Leute aber von so innerlich zerrissenem Gemüte können nicht sittliche Zierden der akademischen Körperschaften sein. Durch die Verführung zur Taufe werden daher nicht nur die Juden dezimiert und geistiger Kräfte für ihr Gemeindeleben beraubt, sondern in solchen Juden wird auch das deutsche Volk in seinem Gemüte vergiftet. Und ich habe immer meine Stimme dagegen erhoben, daß solche Männer, über die ich individuell nicht urteile, die für meine Betrachtung nur statistische Figuren sind, die geeigneten Charaktere, als'Lehrer der akademischen Jugend, sein können. Diese prinzipiellen Erwägungen sind es, die für mich allein verantwortliches Interesse haben und die ich dieser ganzen verworrenen Auffassung und Beurteilung Schmollers entgegenhalte. Und so komme ich wieder auf den Punkt zurück, von dem ich im eisten Artikel ausgegangen war. Der Grundfehler der ganzen Behandlung der Judenfrage liegt in der Vernachlässigung des religiösen Punktes, der wahrlich, obzwar dies nicht eingestanden wird, die Grundkraft der ganzen Differenz ausmacht. Geht endlich einmal an die Prüfung der Frage heran: ob der jüdischen Religion, und zwar nicht nur als Vorstufe und auch nicht nur in ihrer ganzen bisherigen Geschichte, sondern auch aktuell noch für die Gegenwart und alle Zukunft eine Bedeutung zusteht. Lernt es erst verstehen und erwägen, was der einzige Gott zu bedeuten hat für die Geistigkeit Gottes, und wie die absolute Geistigkeit Gottes zur Bedingung wird für ,di.e=echte rationale Wahrheit der Kulturreligion. Lernt es ferner erst erwägen und bedenken, was dieser

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