Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 9 (10.2.1917)
- Article
- Streiflichter über jüdische Religion und Wissenschaft
- Date
- 1917-02-10
- Page
- Seite 260 (sequence 5)
- Language
- German
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260 aachlichste Grund der Religion, der in der Rationalität des einzigen Gottes besteht, nicht allein für ihre sachliche Wahrheit, sondern auch für die Wahrhaftigkeit des Glaubensbekenntnisses zu bedeuten hat — und was endlich die Wahrhaftigkeit des Glaubensbekenntnisses zu bedeuten hat für die menschliche Wahrhaftigkeit überhaupt in allen geistigen und sittlichen Fragen — dann erst werdet Ihr Euch in die Lage versetzt haben, über das Kulturrecht des Judentums zu einem richtigen Urteil gelangen zu können. Noch ist die jüdische Religion mit ihrem „Höre Israel!" eine lebendige Wirklichkeit unter Euch. Setzt Euch nicht hinweg über dieses historische Wunder aus dem Aberglauben der Rasse, sondern laßt nicht die Leitung fahren, welche die unendliche Idee der messianischen Menschheit, gemäß dem einzigen Gotte, dem geschichtlichen Bewußtsein zu geben vermag. Bedenket auch, daß von dem sittlichen geschichtlichen Bewußtsein allein am letzten Ende auch die politische, auch die nationale Frage in allen ihren Einzelproblemen gelöst werden kann. Die sogenannte Judenfrage ist sonach durchaus keine isolierte Frage, weder innerhalb der Religionen, noch innerhalb der Kultur-. nationen. Sie ist vielmehr die Frage des absoluten Monotheismus. Dieser aber bildet für alle Religionen und daher für alle Völker das höchste Ideal: das Ideal der reinen Religion. Das Vorurteil der fremden Rasse hat weder die Aufklärung, noch das moderne Staatsrecht von den Juden abzuwälzen vermocht. Nur vor der Einsicht von dem Werte ihrer Religion kann es, wird es verschwinden. Mehr aber als mit anderen Völkern ist das Problem der reinen Religion mit dem deutschen Geiste verwachsen. Daher dürfen wir deutsche Bekenner des jüdischen Monotheismus der geschichtlichen Zuversicht leben, daß wir als innerliche Glieder des deutschen Volksgeistes immer bewußter, immer treulicher und aufrichtiger anerkannt werden. Und so bleiben wir getrost und zuversichtlich deutsche Menschen und deutsche Staatsbürger, als unerschütterliche Bekenner der jüdischen Religion. Soziologische Tagebuchblätter Von Franz Oppenheimer 8. Zwei Lesefrüchte „Ich werde Eure Farben achten und ehren, wenn sie es verdienen, wenn sie nicht mehr eine müßige oder knechtische Spielerei sind. Pflanzt die schwarz-rot-goldene Fahne auf die Höhe des deutschen Gedankens, macht sie zur Standarte des freien Menschentums, und ich will mein bestes Herzblut für sie hingeben. Beruhigt Euch, ich liebe das Vaterland eben so sehr wie Ibr.^.. . Ich bin der Freund der Franzosen, wie ich der Freund aller Menschen bin, wenn sie vernünftig und gut