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Neue jüdische Monatshefte · 1917-02-10 · Heft 9 (10.2.1917) · p. Seite 254

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 9 (10.2.1917)
Article
Adam
Date
1917-02-10
Page
Seite 254 (sequence 3)
Language
German
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254 Abel: So höre: Wie das Mädchen vor mir saß Und mir für ewig in das Auge blickte, Da zuckte auf mein Herz, ich will ihr danken, Doch meine Zunge bricht. Ein leises Feuer Fahrt mir die Haut entlang, mein Auge schwindet Und meine Ohren gellen wie ein Donner. Schweiß fließt mir übers Antlitz, rauhes Zittern Faßt mich, daß ich wie grünes Gras erblasse. Und nur ein kleines mangelt, daß ich ende. Du lachst mich aus, weil ich dir nichts verberge. Adam: Wie war ich doch vor dir gering, mein Junge. Abel: Komm, Mutter, Adam spottet nicht. So komm doch Und sage nicht noch einmal, daß ich träume. Eva: Du träumst, mein schönes Kind, wir alle träumen. — Die Sonne wartet nicht, wenn wir verweilen. Ich habe manches noch vor Sonnenhöhe Zu wirken. Bist nun gut geborgen, Liebling. Beredet euch nach Lust, und bist du müd, Ruf mich, daß ich dein Lager neu bereite. Abel: Du wunderbare Mutter, geh nicht fort, Eh du mich nicht geküßt - (Eva kü6t ihn zärtlich) Wie süß du bist — Und irgend Liebes mir ins Ohr geflüstert. Eva (spricht ihm leife ins Ohr): Der Odem segne dich. (sie geht, noch einmal mild sich wendend). Adam (der in Gedanken den Vorgang nicht bemerkt hat): Was raunte Eva ihrem Liebling zu? Abel: Ein mildes Wort, doch ich begriff es nicht. — Liebst du die Mutter so wie ich, mein Vater? Adam: Wie du, mein Sohn, und mehr als du, und anders. Doch warum fragst du? Abel: Weil sie traurig blickte, Als fie uns so vertraut und heimlich sah. Adam: Wer ist, den alle Weile lustig findet? Doch nun erzähle weiter, wie es kam, Daß du vom Kinde lassen mußtest. Abel: Nicht so, mein Vater. Wer wohl riß die Wonne Aus meinen schlaffen Armen, wer verjagte Die Seligkeit der Welt von meiner Seite?

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