Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 9 (10.2.1917)
- Article
- Adam
- Date
- 1917-02-10
- Page
- Seite 253 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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253 Adam: Mach auf die blassen Äugehen. So, Jetzt trinkst du Ganz wie ein Mann. Nun großer, süßer Bursche, Der auf der Zunge mir den Himmel zuträgt? — Abel: So, Vater, labte midi das schone Madchen, Das mich im Walde fand, das kleine Weib. — Mutter, ich träumte wieder ohnegleichen. Adam: Was träumtest du, mein Junge, sag's auch mir. Abel: Ich träumte nicht, es wiederholte sich Vor meinem dunklen Auge, was ich lebte. Adam: So sprich, mein Sohn, von allem, was du magst. Abel: Ich laufe meinem wilden Hunde nach, So weit, wie wir uns niemals noch verirrten, Bis ich vor Müdigkeit zu Boden sinke. Und sieh, o guter Vater, sieh, da kommt wer. Ein Weib, so jung und jünger noch als ich, Und schön, o Vater, schöner, wie nichts mehr ist, Und nichts mehr sein wird. Doch du ladist mich aus. Ich denke, hat sich eines jener Lichter, Die nachts im finstern Himmelsstrom sich regen, Verwandelt in ein Leben? Und sie gibt mir Zu trinken, mit so feinen, leichten Händen, Daf3 ich wahrhaftig tief zu stürzen meine In eine Grube ohne Licht und Grund, Vor Freude oder Weh, ich weiß es nicht. Adam: O Kind der schönsten Gottheit, sprich nur weiter. Abel: Ich fühl es, Vater, du verstehst mich gut. Mehr als die Mutter, die vor mir erschrak, Da ich ihr von dem großen Wunder sprach. Adam: Nur mehr, nur mehr, mein Sohn, Gesang isls mir. Wie aufgeregtes Tönen in den Wäldern, Wenn früher Sommer aus den Zweigen drängt. Idi denke immer dann: das müsse Herz sein, Herz jenes großen Gottes, der mich schuf, Der alles dies mich tun heißt, ohne Wort, Herz jenes Herzens, das hier drinnen redet, Wie jenes ohne Laut, doch süß und tief, Das sinnt und will und fühlt und träumt und handelt. Sieh, so ist, was du aus der Kehle holst, Von dort zu deinem Ton, ein Weg ists.