Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 9 (10.2.1917)
- Article
- Adam
- Date
- 1917-02-10
- Page
- Seite 255 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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255 Adam: Wer sonst als er, der Schatten unserer Freude? Abel: Ja er, du weißt es, Vater. Wie ich frisch Midi vom Gebüsch erhebe, sie zu schauen, Und all der rasche Schrecken sich entfernt, Und meine Lippe sich zur Frage lost, Kommt Kajin aus dem tiefsten Winkel her, Wie ausgespien aus Gründen hinterm Raum, Und reißt das Seelchen mir von meiner Seele. Adam: Vom tiefsten Dunkel ausgespien, so ist er. Ob er den Mühen trotzt, ob er umherspäht, Ob er sich regt, ob er entgeistert brütet. Abel: „Mein ists", rast er mich an, der ich ihn nie In jener fernen Welt vermutet hätte. Das Mädchen aber, kaum, daß sie ihn wahrnimmt, Enteilt, wie auf Geheiß, und ist nicht mehr. Und er: kehrst du nicht graden Wegs zur Höhle, So sollst du mich noch spüren. Und daß du Zu Haus mir nichts von alledem erzählst. Dich schütze dann dein Adamgott, du Feigling. — Und stößt mich fluchend her in unsre Richtung, Daß ich verwirrt und ohne Atem fliehe, Ungläubig ob das Ganze nicht ein Denken Nur wär! Doch jetzt, ich weiß es ganz gewiß, Es war kein Bild, das mir begegnet. Denn: Wie würd' ich sonst danach in Nichts vergehn, Und krank und stumm und singend sein vor Sehnen. Hast du, mein Vater, je ein Nichts begehrt? Den Schein nur eines Leibes, einen Namen? Adam: Du mußt nun ruhig werden, Kind. Abel: O Vater! (weint) Nicht ruhig, nein ich will nicht ruhig werden. Ich will den Vogel nicht, den meine Falle Einfängt, den Hund nicht und die Spiele nicht, Ich will nur jenes Mädchen, das mir Gott Aus seinen Armen sandte, mich zu laben, Mit Angesicht, mit Blick, mit Wonneschauer, Und all der Sehnsucht, die mich füllt und sättigt . . .