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Neue jüdische Monatshefte · 1917-01-25 · Heft 8 (25.1.1917) · p. Seite 228

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 8 (25.1.1917)
Article
Streiflichter über jüdische Religion und Wissenschaft
Date
1917-01-25
Page
Seite 228 (sequence 7)
Language
German
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228 es durch seine geschäftliche Überlegenheit, die es oft noch, und zwar mannigfach, durch zweifelhafte Mittel ausnützt, viele innere soziale Verstimmungen und Kämpfe erzeugt." Über den sachlichen Wert dieses Urteils verliere ich kein Wort; ich kann es nur nicht recht vereinbaren mit dem vorausgehenden Urteil über die „glückliche Zugabe". Aber bis jetzt hat der Volkswirtschaftler gesprochen; was hat endlich der Professor zu sagen, ,der, als solcher, nämlich mit Rücksicht auf cüe Universitäten schon in dem eigentlichen Aufsatze das Wort genommen hatte. „Die Neigung des Juden, wo er in eine einflußreiche herrschende Sellung kommt, die Germanen Und Christen zu benachteiligen, ist noch so mannigfach vorhanden.44 Jetzt wird die Anklage ganz ernsthaft. Die Juden, und jetzt sind es die assimilierten in den herrschenden Stellungen, sind also, kurz gesagt, Betrüger. Solche Leute assimiliert man und auf solche assimilierte Juden setzt man weitere Hoffnungen. Wie häßlich ist dieser Widerspruch. Soll ich wirklich noch alles Weitere durchhecheln? Die Hausindustrie und der Landwucher, diese alten Ladenhüter des gemeinsten Antisemitismus, auch sie werden hier nicht verschmäht. Bei der Offiziersfrage kommt dann noch ein köstlicher Purzelbaum. „Wenn heute der betreffende Offizierskandidat sich taufen läßt, so wird er in der Regel gewählt. Das empört die Gefühle aller freier Denkenden.44 Nun aber werden diesen entgegengestellt „die strengen und orthodoxen Christen44, die den getauften Juden durch die Taufe zu Gott in ein „ihn innerlich umbildendes Verhältnis kommen lassen11. Und dieser „mystisch-orthodoxe Standpunkt44 sei der Glaube eines Teils „unserer östlichen Landaristokratie44. Aber der Freidenker „findet mit Recht, daß meist die charakterlosen Juden es sind, die sich aus äußerlichen Gründen taufen lassen44. Wer hat denn nun aber eigentlich nach Herrn von Schmoller recht; die östliche Landaristokratie mit ihrem Glauben an die Mystik der Taufe, der „nicht übersehen werden darf", oder der Freidenker, der „mit Recht44 eine Charakterlosigkeit in den meisten Judentaufen findet? Das sittliche, das religiöse Urteil schwankt hier taumelnd zwischen einer Opportunität zur anderen hinüber. Und schließlich scheint sich alles in die liberalste Wohlgefälligkeit auflösen zu wollen. „Übrigens weiß ich aus zuverlässiger Quelle.44 Man kennt sattsam dieses Wissen aus zuverlässigen Quellen. Genug davon. Aber der Mann wird wirklich gemütlich. „Diese Hoffnung wird sich in dem Maäe realisieren, als die religiösen Gegensätze sich mildern, als der innere sittliche Gehalt der christlichen und der jüdischen Religion mehr als Dogma und die Mystik zur Hauptsache werden.44 Was hören wir da: es gibt einen inneren sittlichen Gehalt erstlich für die jüdische Religion, aber auch für die christliche, der unterschieden wird von Dogma, und Mystik! Durch diese Unterscheidung wird ja aber die ganze Assimilation lahmgelegt, oder nicht etwa auch überflüssig? Oder soll sie wirklich durchweg nur der Rasse wegen gefordert werden? Kann den Juden aber ernstlich zugemutet werden, durch das Dogma und die

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