Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 8 (25.1.1917)
- Article
- Streiflichter über jüdische Religion und Wissenschaft
- Date
- 1917-01-25
- Page
- Seite 226 (sequence 5)
- Language
- German
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226 mit einer Assimilation." Das also ist der Kern der Frucht, die von der Aufklärung gefordert wird. So ist denn also die Aufklärung an sich selbst unreif und ihre Entwicklung wird nicht von dem Ausbau ihres Prinzips bedingt, sondern von einer heterogenen Sache, nämlich von der Assimilation der „rassenfremden Minorität". Die Gleichheit der Menschen vor Gott wird somit in den Schwierigkeiten der Politik zu einer frommen Redensart, der auch die Aufklärung keinen gediegeneren Gehalt zu geben vermag: es kommt alles vielmehr nur darauf an,, daß die rassenfremde Minorität der herrschenden Rasse sich assimiliert. Unreligiös und unethisch, wie dieser ganze Aberglaube an die Statistik ist, so ist auch die Assimilation nichts anderes als ein falsches Wort, erfunden und gebraucht, um die Tendenz zu verbergen, welche schon die Aufklärung gebrandmarkt hat: eine Religion und ihre Bekenner als solche vertilgen und ausrotten zu wollen. Statt der Austreibung und Ausrottung sagt man Assimilation. Welches Ziel aber hat sie? Die Nation, welche den Staat bildet? Ist denn aber der moderne Nationalstaat etwa durch eine Nationalität bedingt? Oder aber beruht seine Modernität nicht gerade in der Aufgabe und der Macht, verschiedene Nationalitäten in der Idee des Staates zu der Einheit einer Nation, eines nationalen Staates zu vereinigen? Haben nun die deutschen Juden, um nicht weiter als auf Moses Mendelssohn zurückzugehen, diese ihre Fähigkeit unddiesen ihren heiligen Willen etwa nicht bewiesen, denr deutschen Nationalstaate nrit Herz und Geist anzugehören? Was soll die Bedingung der Assimilation für uns noch bedeuten? MitJEntrüstung, mit Verachtung weisen wir sie zurück, weil man eine Forderung der Falschheit, der sittlichen Unaufrichtigkeit verachten darf und verachten soll. Wir sind Deutsche, weil wir Deutsche sein wollen. Und wir fühlen die Befähigung, diesem großen Volke mit seiner Geistesgeschichte uns einzugliedern, hauptsächlich in der unerschöpflichen Kraft unserer Religion, unseres reinen Glaubens an den einzigen Gott und der ewigen Sittenlehre, die diesem Glauben entsprossen ist. In dieser Religion und kraft ihrer sind wir Bürger des Deutschen Reiches geworden. Die Unterstellung, daß uns das deutsche Staatsbürgerrecht verliehen worden wäre unter der weisen Voraussieht der allmählichen Preisgabe unserer Religion durch uns selbst, weisen wir mit Entrüstung zurück, nicht nur als einen heimtückischen Angriff auf unsere religiöse Treue und Ehre, sondern nicht minder auch als eine Schändung der deutschen Gewissenhaftigkeit und Aufrichtigkeit- Folgen wir jetzt wieder dem weisen Daniel. „Seit 1848 bis 1870 hat die Assimilation der obersten Judenschichten in Deutschland große Fortschritte gemacht." Man sollte denken, diese großen Fortschritte würden jetzt anerkannt werden für die kulturellen Leistungen der deutschen Juden in Handel und Gewerbe, in Kunst und Wissenschaft, wie in der Anteilnahme an der deutschen Politik; weit gefehlt! Der Autor fährt fort: „unter dem Einfluß der humanitär-liberalen Ideen, des beginnenden Konnubiums zwischen Germanen und Semiten, des wachsenden Übertritts der assimilierten oberen