Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 8 (25.1.1917)
- Article
- Streiflichter über jüdische Religion und Wissenschaft
- Date
- 1917-01-25
- Page
- Seite 224 (sequence 3)
- Language
- German
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224 zunächst anzuknüpfen. „Ich hatte mit meine besten Freunde, unter Juden und Halbjuden.", Dieses Wort dürfte wirklich harmlos sein, aber es muß dennoch abgelehnt werden. Wir können keine Halbjuden anerkennen. Nur der Rassenstandpunkt kann so unterscheiden. Wer den Begriff des Juden nur religiös faßt und wer in der Überzeugung steht und kämpft, daß nur der religiöse Begriff des Juden das geeignete Problem bildet für die Frage des nationalen Staates, der sieht in dieser Unterscheidung von Juden und Halbjuden einen verhängnisvollen Fehler. Wo möglich müßte man die ganze Bruchskala durchrechnen, um den richtigen Anteil des sogenannten Juden im deutschen Menschen festzustellen. Warum aber nehmen wir zu dieser Unterscheidung, welche doch nun einmal ethnologisch unvermeidlich scheint, eine so ernstliche Stellung? Weil von diesem Punkte aus die prinzipielle Erörterung dieser ganzen Streitfrage geführt werden muß. Diese nämlich darf nicht beschränkt werden auf die sogenannte Rassenfrage und auch nicht auf die Differenz der jüdischen von der deutschen Nationalität. Unser Kriegsbündnis lehrt eine andere Offenbarung von der Bedeutung der Nationalitäten für den nationalen Einheitsstaat und für den Bundesstaat. Und die Konsequenz dieser Lehre bedeutet für dio Bekenner der jüdischen Religion, daß sie zwar, um diese zu erhalten und ihren Fortbestand zu sichern, ihre Nationalität zu wahren haben, daß sie aber in dieser Wahrung keineswegs ihre Pflicht verkümmern lassen für ihre Zugehörigkeit zum deutschen Nationalstaat, Wenn anders nämlich die jüdische Religion in ihrem Monotheismus eine berechtigte Eigenart ist innerhalb der geistigen Kultur der Menschheit, so bedarf ihr Fortbestand, zumal unter der Mißgunst und Intoleranz üer obwaltenden Differenzen, des Fortbestandes der jüdischen Nationalität. Und diese eigene Nationalität ist alsdann als eine Förderung des deutschen Staates zu erachten wegen dessen Förderung durch den Fortbestand der jüdischen Religion. Auf diesen Punkt kommt alles an. Und alle Diskussion ist unaufrichtig, oberflächlich und von mangelhafter Gewissenhaftigkeit, wenn sie um diesen Punkt herumgeht und immer nur von der Rasse redet, die Religion aber verschweigt. Gegen die Rasse seid Ihr ja eigentlich gar nicht, denn Ihr wollt sie ja assimilieren. Und zu diesem Zwecke hauptsächlich berechnet eure Statistik die Zunahme der Mischehen. Ihr wißt aber, daß es nicht mehr zeitgemäß ist, gegen eine Religion offen den Kampf zu führen — die Gewissensfreiheit ist zu einem ähnlichen Stichwort geworden, wie die Nächstenliebe —, daher haltet Ihr Euch lieber an die Rasse, behandelt aus deren Gesichtspunkt die Judenfrage und macht sie nur aus diesem Gesichtspunkte zu einem politischen Problem, während das eigentliche politische Problem wahrlich nicht minder die religiöse Frage und den Anteil der jüdischen Religion an der Fortentwicklung einer reinen Kulturreligion zu berücksichtigen hätte. Es ist beinahe ergötzlich, wenn es nicht so tief traurig wäre, zu beobachten, wie sich für Herrn von Schmoller seine ganze Judenfrage