Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 8 (25.1.1917)
- Article
- Streiflichter über jüdische Religion und Wissenschaft
- Date
- 1917-01-25
- Page
- Seite 223 (sequence 2)
- Language
- German
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223 .Hoffnungsmut gerade jetzt, so daß wir zu einer Entgegnung uns nur herbeilassen, wie wir die Ententenoten beantworten, nur für uns selbst zum Tröste, und höchstens noch mit einer Anstandshoffnung auf einige Neutrale. - Was hat sich in unserer heutigen Lage unseren deutschen Staatsgenossen gegenüber verändert? Die Angriffe sind jetzt erfolgt, nachdem wir in einmütiger Begeisterung allesamt uns in den Bhitdienst des Vaterlandes gestellt haben und während wir fast in einem jeden Hause imter uns von Trauer ergriffen sind über den Tod fürs Vaterland, den Söhne und Väter und Brüder oder entferntere, aber unserem Herzen nahestehende Verwandte und Freunde gestorben sind. Zu dem allgemeinen Leid, das auch uns wie das ganze Land betroffen hat, stößt man uns gerade in solchen Tagen tiefer Trauer und schwersten Kummers neben den allgemeinen Sorgen und Nöten nun noch diesen besondern Dolch ins Herz, der nicht nur unseren Schmerz verschärft, sondern unser Gefühl durchkreuzt, so daß man zu dem teuflischen Verdacht gebracht wird, als wäre es abgesehen auf diese Verwirrung unseres Gefühls, als ob. man unseren Patriotismus vereiteln wollte, weil er ihnen das Konzept für ihren Haß verdirbt. In weiten Kreisen durchzittqrt uns der Gedanke, daß wir eines solchen Anfalls auf das rein menschliche Gefühl, eines solchen Mangels an Mitleid und Respekt für das Mitleiden derer, die man von dem eigenen Volke unterscheidet, die nun aber in Reih und Glied in diesem Volke kämpfen, uns gerade bei deutschen Menschen nicht versehen hatten; daß uns diese Verirrung zwar in unserem eigenen historischen Gefühle für den deutschen Volksgeist nicht irremachen kann, daß wir aber diese Episode dieses Weltkrieges wahrlich mehr als Deutsche denn als Juden ernst und tief beklagen, und daß wir mit Besorgnis auf das Ausland blicken, welches von diesen Vorgängen schadenfrohe Kunde erlangen wird. Diese Gefühle einer ernsthaften national-deutschen Bekümmernis sind es, welche uns heute mißmutig und widerwillig machen gegen die Abwehr jener nicht endenwollenden Anklagen. Wir dürfen uns aber der Pflicht nicht entziehen, immer wieder nicht zu schweigen, sondern, ohne die Rechnung auf Erfolg, der Unwahrheit entgegenzutreten. Wir erkennen diese Pflicht nicht nur zur eigenen Tröstung, sondern auch zur Ermahnung, wenn nicht zur Belehrung unserer deutschen Gegner. Mit unserem Rechte als Staatsbürger jüdischer Religion erkennen wir auch die Pflicht verbunden, vor dem Schaden zu warnen, der unserer Überzeugung nach der deutschen Ehre durch jede Art der Judenfeindschaft zugefügt wird. Und wir erachten unsere eigene Überzeugung für ebenso objektiv, wie unsere Gegner die ihrige halten. Schmoller hat nicht nur in seinem Jahrbuch (Bd. 40, Heft 4) unter dem Titel „Obrigkeitsstaat und Volksstaat" bei der Besprechung von Hugo Preuß „Das deutsche Volk und die Politik" zur Judenfrage sich geäußert, sondern als Antwort auf seine „ganz harmlosen Bemerkungen4, in der „Täglichen Rundschau'4 (Nr. 27) unter dem Titel: „Die heutige deutsche Judenfrage". Es sei mir gestattet, an die letztere Kundgebung