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Neue jüdische Monatshefte · 1917-01-10 · Heft 7 (10.1.1917) · p. Seite 192

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 7 (10.1.1917)
Article
Chawe
Date
1917-01-10
Page
Seite 192 (sequence 3)
Language
German
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192 gut sind. Es ist ein Glück, daß ich meine Peitsche bei mir hatte! Nun erklärte ich ihnen mit der Peitsche den Vers: ,Bei allen Kindern Israel soll nicht ein Hund mucken4. Auf ihr Gebell und auf mein Peitschenknallen lief der Pope mit der Popenfrau heraus. Sie trieben mit Mühe die lustige Hundegesellschaft auseinander, luden mich ins Haus, empfingen mich wie einen Ehrengast und wollten sogar den Samowar bereiten. Sag ich dem Popen, daß ich auf den Samowar verzichte; ich will mit ihm unter vier Augen sprechen. Der Götzendiener hat wohl gleich verstanden, um was es sich handelt und gab seiner Frau einen Wink, daß sie so freundlich sei und die Türe von außen zumache. Und ich beginne ganz ohne Vorrede und frage ihn, ob er an Gott glaubt. Und dann soll er mir sagen, ob er weiß, was es bedeutet, wenn man einem Vater sein Kind wegnimmt, das er lieb hat. Und dann soll er mir sagen, was nach seinem Verstand ein gutes Werk ist und was eine Sünde. Und dann möchte ich wissen, was er von einem Menschen hält, der sich zu einem andern ins Haus stiehlt und alles durcheinanderbringt, Bänke, Tische und Betten umkehrt und umstellt?!!! Er ist, versteht sich, ganz verblüfft und sagt mir: »Du bist doch ein verständiger Mensch, Tewje," sagt er mir, „und doch stellst du mir so viel Fragen auf einmal und willst, daß ich sie dir alle auf der Stelle beantworte. Laß mir Zeit, und ich werde dir eine nach der andern beantworten ..." — „Nein," sag ich ihm, „du wirst mir keine einzige beantworten können, ehrwürdiger Vater! Weißt du warum? Weil ich alle deine Gedanken in voraus kenne. Antworte mir lieber", sag ich, „nur auf folgendes: Hab ich noch Hoffnung, meine Tochter wiederzusehen oder nicht?" — Er fährt auf: „Was heißt wiedersehen?" sagt er: „Deiner Tochter wird doch nichts Böses geschehen! Sogar im Gegenteil . . — „Ich weiß," sag ich, „ich weiß, ihr wollt sie ja glücklich.machen! Ich rede nicht davon," sag ich, „ich will nur das eine wissen, wo meine Tochter jetzt ist und ob ich sie sehen kann?" — „Alles andere, nur nicht das . . ." sagt er. „Das ist alles," sag ich, „was ich wissen wollte. Kurz und bündig. Also leb wohl," sag ich, „und möge es dir Gott hundertfältig vergelten!" Ich komme nach Hause zurück und sehe, mein Weib Golde liegt wie ein schwarzer Knäuel auf dem Bett und weint

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