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Neue jüdische Monatshefte · 1917-01-10 · Heft 7 (10.1.1917) · p. Seite 189

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 7 (10.1.1917)
Article
Babylon - Bagdad
Date
1917-01-10
Page
Seite 189 (sequence 5)
Language
German
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189 hörte ich viel von den Schwierigkeiten, die sich dem Werke der Volksbildung in Bagdad entgegenstellen, und viel auch von der Not, die in dieser Hinsicht das Volk bedrückt. In klugen Worten umrissen und erläuterten die Herren die Verschiedenheiten der Erziehung, wie sie der Orient gegenüber unseren Methoden fordert, und mit Sorge suchten sie aus den ihnen gut bekannten Vorbildern in England und Frankreich etwas Neues zu bilden, das ihrem Ideal näher käme als die bestehenden Verhältnisse. Doch stets kamen sie auf die Frage der LehrkraftbeschafTung zurück. Heute steht ihnen hierfür nur Beirut zur Verfügung. Und das französierte Beirut bedeutet die Verlängerung des heutigen Zustandcs. Dabei können auch aus Beirut nur wenige Lehrer oder. Lehrerinnen bewogen werden, nach dem weit entfernten Bagdad zu kommen, selbst wenn Kräfte abgegeben werden können. Sollte es sich nicht ermöglichen lassen, der so einflußreichen jüdischen Kolonie in Bagdad zu Hilfe zu kommen? Selbst wenn Unterrichtskräfte bei uns nicht verfügbar sind, schon die Überlassung neuerer, besserer deutscher Unterrichtsgegenstände würde für das spätere Leben dieser Schulen Wesentliches bedeuten. Nicht nur, daß solche Überlassung von Lehrmitteln — ich denke dabei zunächst an Anschauungsbilder, wie sie uns in Deutschland in so vorzüglicher Weise zur Verfügung stehen, vielleicht auch an einiges Kartenmaterial;— dartun würde, wie unsere Hilfe bereit und willens ist, sich auch auf diese Kreise zu erstrecken, sondern der Gebrauch solcher Bilder würde ohne weiteres den aufgeweckten Sinn der Kinder auf Deutschland lenken und durch ihr bloßes Vorhandensein schon genügen, um in nicht unbeträchtlicher Weise der einseitigen Hingabe an alles Französische, der Bewunderung alles Englischen entgegenzuwirken. Wäre eine solche stumme Beeinflussung nicht auch für die Zukunft wertvoller als manche Aufklärungsbemühung? Ein solches Entgegenkommen wäre auch wohl geeignet, vorhandene falsche Auffasungen zu zerstören und jenes Vertrauen zu wecken, das die Grundlage jeder ersprießlichen Zusammenarbeit bleibt. Eine freundliche Handbewegung ist oft eindrucksvoller als viele Worte, und im Interesse unserer selbst, wie der Lage des ganzen Volkes in dem so bedeutenden Zukunftsorte Bagdad, muß uns daran liegen, dort Vertrauen zu erwecken, mit dem Volke Fühlung zu gewinnen, das uns vor dem Kriege überhaupt nicht kannte und dem Bundesgenossen der Türkei nur deshalb mit Zutrauen entgegenblickte, weil, nach seiner Ansicht, der sonore Name „Alaman" auf ein kräftiges, starkes Volk schließen ließ! Aus allen Richtungen der Windrose sind die Völker in den Irak gezogen. Keinem von ihnen stand ein höheres Ziel als das der Macht vor Augen. Eins nach dem anderen ist vergangen. Nur die Exilierten aus Israel „gedachten an Zion", und in diesem Gedenken an etwas Höheres, über den Menschen Hinausweisendes haben sie bis auf den heutigen Tag befruchtend und wirkend, im Vertrauen auf eine, wenn auch noch so ferne, reinere .Zukunft des Menschengeschlechts unter den vielen Herrsch ernationen des Landes gearbeitet.

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