Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 7 (10.1.1917)
- Article
- Babylon - Bagdad
- Date
- 1917-01-10
- Page
- Seite 190 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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«90 Wir legen die vergrabenen Ruinen Babylons frei. Dort wirkte ein Daniel. Das Babylon im Irak von heute heißt Bagdad. Hier hüten und pflegen heute Nachkommen jenes Daniel das fast erlöschende Licht eines Volkes, seinen Bildungshunger, seine Lernbegier. Möchten wir, dio wir die Hand an den Pflug auch in Mesopotamien gelegt haben, ihre Beihilfe entbehren? Auch hier wartet ein Volk, auch hier steht ein Tor offen, durch das wir eintreten können, eines freundlichen Empfanges gewiß. Chawe Aus den Erzählungen Tewjes des Milchhändlers von Scholen! Alejchem Deutsch von Alexander Eliasberg (Schluß) So liege ich in meinem Unglück da, und der Kopf, der Kopf will mir zerspringen, denn ich denke und grüble und studiere: was hat das zu bedeuten?» Was ist meine Sünde, und was ist mein Vergehen? Womit habe ich, Tewje, mehr gesündigt als alle anderen Menschen, und warum werde ich härter als alle anderen Juden bestraft? Ach Gott im Himmel, barmherziger Gott! Was bedeute ich vor dir, daß du immer an mich denkst und mich nie vergißt, wenn es irgendwo eine Plage oder ein Unglück gibt?" Ich liege so wie auf heißen Kohlen und höre, wie mein Weib an meiner Seite seufzt, aus tiefstem Herzen stöhnt, „Golde," frage ich, „du schläfst?" — „Nein," sagt sie, „was willst du denn?" — „Nichts will ich," sag ich. »Wir sitzen schön tief im Unglück. Vielleicht weißt du doch einen Rat, was man tun soll?" — „Du fragst mich um Rat," sagt sie, „wo es mir selbst so weh ums Herz ist? Ein Kind steht morgens auf, ein gesundes, starkes Kind, kleidet sich an, Fallt mir um den Hals, küßt und halst mich und sagt kein Wort, was los ist! Ich glaubte," sagt sie, „sie sei von Sinnen! Frag ich sie: Was hast du, Tochter? Sie sagt darauf nichts, läuft in den Stall zu den Kühen und seit dem Augenblick ist sie verschwunden; ich warte eine Stunde, zwei Stunden, drei Stunden — wo ist Chawe? Chawe ist fort! Sage ich zu den Kindern: Springt einmal hinüber zum Popen . . ." „Woher", frage ich, „hast du gewußt, daß sie beim Popen ist?" — „Woher ich das gewußt habe?" sagt sie: „Hab ich denn keine Augen? Bin ich