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Neue jüdische Monatshefte · 1917-01-10 · Heft 7 (10.1.1917) · p. Seite 188

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 7 (10.1.1917)
Article
Babylon - Bagdad
Date
1917-01-10
Page
Seite 188 (sequence 4)
Language
German
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im schnitten, deren mechanische Erlernung das vornehmste Ziel des Unterrichts, ist und dem angeborenen Hang dos Orientalen.zur Oberflächlichkeit nur zu sehr entgegenkommt. Damit wird aber jener Geistesrichtung Vorschub geleistet, die im Sensationellen ihre Hauptnahrung sucht, jedes Schlagwort; wenn es nur mit den vorhandenen Grundanschauungen übereinstimmt, unbesehen . aufnimmt und so gerade diese äußerst bildungsfähigen. Menscheri eine nur zu leichte Beute fremder Einflüsse werden läßt. Es ist dies auch von unserem deutschen Standpunkte aus eine Gefahr. Denn wenn eine Erneuerung und Erstarkung der Türkei von innen heraus geschehen .soll, so muß gerade der Ordnungssinn und die .Bedachtsamkeit der orientalischen Völker zunächst geweckt werden. Das ist aber mit den jetzt z. B. in Bagdad angewendeten Methoden unmöglich. Dabei arbeitet die heute dort vermittelte Erziehung einer Hinneigung der Bevölkerung zu unseren Feinden, genau wie in Syrien, auf das nachdrücklichste vor. Gerade bei den jüdischen Bildungsstätten und bei dem großen Einfluß, den sie auf das ganze Leben der Bevölkerung ausüben, soweit dieselbe im Irak für irgendwelche Bildung überhaupt in Betracht kommt, wäre eine Beeinflussung im Sinne einer Umbiegung dieser Methoden in einer der allgemeinen Entwicklung weit zuträglicheren Richtung wohl möglich. Heute werden ausschließlich französische Lehrbücher verwandt, meistens solche, die in Frankreich selbst als veraltet abgetan sind. Das geht so weit, daß sogar für den Anschauungsunterricht nur je.ne wohl 50 Jahre alten Bilder zur Verfügung stehen, die an den schwarzen Gestalten krinolinenbewehrter „mamans" und in den steifen <„redingoteu ezwängten überschlanken „papas", mit dem Zylinder auf dem bärtigen Haupte, den kleinen bunten Kindern des Orients die Moralweisheiten des dritten Kaiserreichs erläuternd vorführen. Der Grund für die Verwendung dieses Ladenhütermaterials liegt darin, daß es Billig zu beschaffen ist. Die Kreise, die es beschaffen, halten es „gerade gut genug für den Orient", denn ihnen liegt ja viel weniger an einer Förderung der Volksbildung als an einer Stärkung des ausgesprochen französischen Einflusses. Die einheimischen Kreise aber sind gar nicht in der Lage, die Mängel dieses unzulänglichen Materials z.u beurteilen. Sie sind schon froh, wenn ihnen solches überhaupt zugänglich gemacht wird. Wäre es nun für uns nicht möglich, hier einzugreifen? Auf der weiten Terrasse seines im Palmenviertel, unweit des deutschen Konsulats gelegenen Wohnhauses, wo sich allabendlich mit der hinter den Gärten und Häusern Ei Kasrs auf dem jenseitigen Ufer blutrot und schnell untergehenden Sonne eine Gesellschaft versammelte, die die ersten Persönlichkeiten . des öffentlichen Lebens in Bagdad umfaßte, hat mich Herr Menahem Saleh und sein liebenswürdiger, in gleicher Weise wie sein Vater interessierter Sohn Esra, der Mitglied des Stadtrates von Bagdad ist, oft gebeten, länger zu bleiben. Hier •am Ufer des leise rauschenden Tigris, unter dem blauschwarzen Sternenhimmel des Irak, unweit von uns das Feuer einiger Diener, die den im Freien angebundenen Tieren des Haushalts zur Wache dienten,"

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