Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 7 (10.1.1917)
- Article
- Die Wiederaufrichtung Polens und die Freiheitsbestrebungen der Juden
- Date
- 1917-01-10
- Page
- Seite 184 (sequence 8)
- Language
- German
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164 der Gleichberechtigung betätigen, sondern auch in nationaler Hinsicht unseres Selbstbchauptungs- und Selbstbestimmungsrechts — unter den bereits erwähnten Einschränkungen — keinesfalls hergeben werden. Und ohne Rücksicht darauf, wie Außenstehende unsere Sprache oder, sagen wir, „Doppelsprachigkeit" beurteilen, werden wir diese Frage, die ja in ihren praktischen Konsequenzen vor allem uns selbst betrifft, sowie alle übrigen Fragen unserer nationalen Sache auf Grund eigenen Nationalwillens zu regeln beanspruchen. Selbstverständlich verurteilen wir dabei in erster Reihe jede Form von Entnationalisierung, die staatsrechtlich betrachtet, sich nur als althergebrachte polnische „Rechtsnorm" in neuzeitlichem Gewände darstellt: Privilegium de non tolerando natione judaica. Hoffentlich werden die Polen, die als Pioniere der "Westkultur im Osten gelten wollen, wenn nicht schon aus Gründen der politischen Moral, so aus Gründen politischer Zweckmäßigkeit darauf achten, daß die Zontralmächte als Begründer des neuen Staates nicht dort eingreifen müßten, wo der Staat selbst versagen würde. * * # - Nach der Thronbesteigung des zur Trauer seiner Völker dahingegangenen Kaisers Franz Joseph I. überreichte ihm am 16. Januar 1849 eine Deputation der Polen aus Galizien eine Huldigungsadresse, in der die Forderung nationaler Gerechtigkeit in folgenden Worten Ausdruck fand: „Falls nationale Eigenart jeder Nation teuer ist, so besitzt sie für die Polen einen unschätzbaren Wert, denn sie bildet ihr einziges Vermächtnis .... dessen sorgfältige Pflege die erste Bedingung unserer Würde ist; deswegen wäre für uns jedwede diesbezügliche Verzichtleistung — wo und wann immer — sogar eine absolute Unmöglichkeit." So sprachen die Führer der polnischen Nation zur Zeit, da noch die Polen als Don Quichotes der Freiheit um die Sympathien der Kulturwelt sich bewarben. Mögen die Männer, denen heute das Schicksal des polnischen Staates überantwortet wird, es nicht vermeiden, ihre Nation zu belehren, daß man das, was man an sich selbst als höchste Tugend gepriesen hat, einem anderen Volke nicht als Laster anrechnen darf, und daß es zwecklos ist dieses „Laster" nach russischer Art und mit aus russischem Arsenal entliehenen Waffen „ausrotten" zu wollen. Mönen die Polen anläßlich des Ausgleichs aller Völkerrechnungen über die bisherigen Mißhelligkeiten und Konflikte zwischen ihnen und den Juden den Schleier werfen — in der Einsicht, daß von den beiden Tendenzen: der Unterdrückung und der Erhebung niemals die erste ihre endgültigen Triumphe feiert, und im festen Entschlüsse, an Stelle der immerwährenden Gärung und Reizung allen Bürgern ihres Staates Gleichstellung vor dem Rechte, allen Stämmen die Wohlfahrt nationaler Entwicklung angedeihen zu lassen! Dann, aber auch erst dann, wird das Reich Polen dem seinerzeit in bezug auf die Juden und auf Grund äußerer Umstände; — als Zufluchts-