Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 7 (10.1.1917)
- Article
- Die Wiederaufrichtung Polens und die Freiheitsbestrebungen der Juden
- Date
- 1917-01-10
- Page
- Seite 185 (sequence 9)
- Language
- German
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165 Stätte —' erhaltenen Namen, zufolge seiner inneren Verfassung1 gerecht, werden: „Polonia — paradisus Judaeorum!" Babylon-Bagdad Von Robert W. Horn, Großharthau bei Dresden (Schluß) Eine gut geleitete, hübsch untergebrachte, große Vorschule mit hellen und luftigen Räumen gestattet es, einer großen Menge kleiner Kinder bis zum Alter von etwa 12 Jahren einen ziemlich umfassenden Unterricht zu erteilen, der sich auf Arabisch, Türkisch, Hebräisch mit etwas Französisch als Sprachen, Rechnen, Geographie und Geschichte erstreckt. An diese Vorschule schließt sich eine höhere Unterrichtsanstalt, die für Knaben bis zum achtzehnten Lebensjahre bestimmt ist. Hier wird der Unterricht fast ausschließlich in französischer Sprache erteilt. Beide Anstalten werden von der „Allianco Israelite" erhalten, und die hier tätigen Lehrer und Lehrerinnen stammen alle aus dem Lehrerseminar, das die Alliance in Beirut unterhält. Viele der hier wirkenden Lehrkräfte sind auch in Paris ausgebildet worden. Doch neben diesen, vornehmlich auf ausländische Hilfe angewiesenen Schulen bestehen auch zwei prächtige Anlagen, die nur durch die Gebefreudigkeit und den Ernst, mit dem große Bagdader Israeliten die Frage der Volksbildung auffassen, erstanden sind und unterhalten werden können. Eine große, schöngebaute Knabenschule gibt Platz für 1500 Zöglinge. In drei großen Gebäuden untergebracht, die ein jede* von einem einzelnen jüdischen Mitbürger in Bagdad errichtet und ausgestattet worden sind, und unter denen besonders der von Herrn Menahem Saleh Daniell erbaute Flügel hervortritt, ist diese Anlage heute zwar als Hospital von der Regierung übernommen, zeigt aber in ihrem ganzen Aufbau, mit welcher Leistungsfähigkeit und Aufopferung die jüdischen Kreise des Irak ihrer Pflicht dem werdenden Geschlecht gegenüber nachzukommen bestrebt sind. Noch weit prächtiger ist aber die durch die wahrhaft fürstliche Freigebigkeit eines Bagdader Israeliten kurz vor Ausbruch des Krieges errichtete Mädchenschule. Drei große parallele Hauptgebäude, aus gelben, außen glasierten Ziegeln erbaut und an den Querseiten durch Flügelgebäude verbunden, umschließen zwei geräumige Höfe. Hohe, luftige Klassenzimmer und breite, überdeckte Veranden tragen dem Klima in ausgezeichneter Weise Rechnung. Eine breite Freitreppe, wohl die einzige in Bagdad, führt von der Straße zu dem schön verzierten Eingange empor und, ein Wunder für jeden, der die innere Stadt Bagdad kennt, wo sich dieses Schulgebäude erhebt, ein Ziergarten zieht sich vor der ganzen Anlage hin, dessen Grün freundlich und einladend die wuchtige ..Front des schönen Bauwerkes hervortreten läßt. Alles in allem keine geringe Leistung für die Tatkraft und das Verständnis eines Einzelnen.