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Neue jüdische Monatshefte · 1916-12-25 · Heft 6 (25.12.1916) · p. Seite 167

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 6 (25.12.1916)
Article
Streiflichter über jüdische Religion und Wissenschaft
Date
1916-12-25
Page
Seite 167 (sequence 2)
Language
German
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167 Die moderne Kultur ist daher dem Problem der Religion gegenüber mit immer mehr reifender Bestimmtheit zu'deren ethischer Begründung vorgeschritten, welche in allen Religionen und in allen Zeitaltern als ein Richtweg gedient hat Immer und überall aber hatte sich Gegnerschaft behauptet gegen den Rationalismus der Religionswissenschaft. In neuerer Zeit wird sogar die Wirklichkeit Gottes zum Stichwort ge-* macht gegen die methodische Begründung der Religion in der Ethik. Man wird nicht fehlgehen, wenn man in dieser Richtung das Interesse vorwiegend erkennt/weiches der moderne Protestantismus an der Wirklichkeit, und mein* als an der historischen noch, an der fortwirkenden Wirklichkeit Christi nimmt. Im jüdischen Lager dagegen dürfte, abgesehen von dem unphilosophisehen Mißtrauen gegen die realisierende Macht der Idee, besonders noch das komplizierte national-jüdische Problem, das man zum Schwerpunkt der jüdischen Religion machen möchte, eine Zurückdrängung des ethischen Schwerpunktes zur unbeabsichtigten Folge machen. Das Deuteronomium hat den Namen: „Wiederholung der Thora" erhalten. Und diesen Namen verdient es zu behalten, nicht nur wegen der Wiederholung-en, sondern wegen der Zusammenfassung und Würdigung alles bisherigen Inhalte der Thora. Es ist wie ein Monolog, den der Volksgeist mit sich selbst hält, und in dem er seine Ursprünge und seine letzten Ziele entrollt, seine nationalen Urkräfte und Urgedanken über sein Verhältnis zu seinen ältesten Helden, wie zu den Völkern seiner Umgebung. Dieser Monolog soll das Nationalbewußtsein entflammen für die großen Aufgaben, die ihm gesetzt sind. Worin aber sollen diese nun hauptsächlich bestehen? Etwa in den politischen Zielen der eigenen Nation und gegenüber den anderen Nationen? Nationale Aufgaben solcher Art werden jedoch ausdrücklich und nachdrücklich der religiösen Aufgabe unterstellt: der Erkenntnis und der Verehrung des einzigen Gottes, mit der daraus erwachsenden Verpflichtung, diesen einzigen Gottesdienst zu verbreiten und daher den Götzendienst zu vertilgen. Da nun aber für diese religiöse, diese Aufgabe der Idee die Erweckung des Nationalbewußtseins als das notwendige Mittel erscheint so gibt sich die große Rede in den Gefilden Moabs ausgiebig den nationalen Erinnerungen hin, dem eindrucksvollen Bericht der Vorgeschichte in politischer und religiöser Hinsicht. Indessen gipfeln alle diese Reminiszenzen nicht sowohl in dem Faktum der Befreiung aus Ägypten als vielmehr in dem der Offenbarung am Sinai. Auch hierin sehen wir schon wiederum den Kampf zwischen einem bloß realen und einem zugleich idealen Faktor. Aber schon bei diesem historischen Faktor der Befreiung aus Ägypten erkennen wir mit lehrhafter Deutlichkeit den Zusammenhang des echt Historischen mit dem Sittlich-Idealen. Es ist nicht etwa eine Erinnerung an den Triumph Israels über Ägypten, die als nationaler Ursprung gefeiert wird, sondern das Gedenken wird gerichtet auf die Befreiung aus dem „Eisenhammer der Sklaverei". Und ebenso geht durch die ganze Thora die immerfort wiederholte Mahnung daran, daß „ihr Fremdlinge wäret im Lande Ägypten", und daß ihr daher den Fremdling lieben müßt, wie Gott den Fremdling liebt. So

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