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Neue jüdische Monatshefte · 1916-12-25 · Heft 6 (25.12.1916) · p. Seite 161

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 6 (25.12.1916)
Article
Chawe
Date
1916-12-25
Page
Seite 161 (sequence 3)
Language
German
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161 bekommt, außer dem christlichen Dorfvorsteher Anton Poperilo, dem Dorfschreiber Chwedjko Galagan, einem großen Kerl mit langen Locken und Schaftstiefeln, und dem Popen, ausgelöscht sei sein Name und sein Gedächtnis! Seinen Namen will ich nicht mehr hören! Nicht etwa weil ich Jude bin und er Pope ist: wir sind sogar seit vielen Jahren gut miteinander bekannt; das heißt, zu Familienfesten besuchen wir einander nicht und zu den hohen Feiertagen erst recht nicht. Wenn wir uns begegnen, sagt einer dem andern: Guten Tag! Wie gehts? Was hört man auf der Welt? Ich mag mich aber mit ihm nicht in lange Gespräche einlassen, denn gleich kommt er mir immer mit der alten Geschichte: Euer Gott, unser Gott usw. Ich gehe darauf nicht ein und unterbreche ihn gewöhnlich mit einem Scherzwort und will ihm irgendeinen Vers aus der Schrift anführen; nun unterbricht er mich und sagt, daß er die Schrift ebensogut kennt wie ich und vielleicht noch besser, und fangt an aus dem Kopfe Bibelverse aufzusagen, doch mit einer Aussprache, wie sie nur ein Christ fertig bringt: „Beresith bara ., /'Jedesmal, wirklich jedesmal dieselbe Geschichte! Nun unterbreche ich ihn und will eine Stelle aus einem Midrasch anführen. Er läßt mich aber nicht zu Worte kommen und sagt, daß der Midrasch schon zum Talmud gehört; den Talmud mag er aber nicht, denn der Talmud ist lauter Schwindel .. . Nun gerate ich selbstverständlich in Zorn und sage ihm alles, was mir gerade auf die Zunge kommt. Ihr meint, daß es auf ihn Eindruck macht? Nicht den geringsten! Er schaut mich an und lacht und streichelt sich dabei seinen langen Barr. Es gibt wirklich nichts Ärgeres auf der Welt, als wenn Ihr einen Menschen beschimpft und er dabei schweigt! Euch fließt die Galle über, und er steht da und lächelt! Damals verstand ich es nicht, aber heute weiß ich, was jenes Lächeln zu bedeuten hatte ... Kurz und gut, wie "ich eines Abends heimkomme, sehe ich, wie der Schreiber Chwedjko vor dem Hause mit meiner Chawe steht; mit meiner dritten Tochter, die gleich nach Modele kommt. Wie der Bursche mich sieht, zieht er vor mir die Mütze, dreht sich um und geht fort. Nun nehme ich Chawe ins Gebet: „Was tut hier Chwedjko?" Sie sagt: „Gar nichts/ „Was heißt gar nichts? . Sagt sie: „Wir haben nur etwas geplaudert/' Sag ich: „Was ist Chwedjko für dich für eine Gesellschaft?" Sagt sie: „Wir kennen uns ja schon seit langem/

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