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Neue jüdische Monatshefte · 1916-12-25 · Heft 6 (25.12.1916) · p. Seite 158

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 6 (25.12.1916)
Article
Babylon - Bagdad
Date
1916-12-25
Page
Seite 158 (sequence 5)
Language
German
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158 der Volksbildung zu tun; ja, sie mußten danach streben, den Einfluß, den etwa das unter britischer Herrschaft stehende Indien auf den Irak, und besonders auf Bagdad haben konnte, soviel wie möglich zurückzudrängen. Da sie ihm nichts auch nur Gleichwertiges entgegenzusetzen vermochten, blieb die Stadt rein von Schulen und Bildungsstätten, fast vollständig entblößt jeder Möglichkeit geistiger Fortbildung. In der Tat bestehen wohl, jeder Moschee angegliedert, eine Art Volksschulen, in denen aber nur das Lesen, und für die Begabteren das Schreiben der arabischen Schrift auf der Grundlage des Koran gelehrt wird. Alle anderen Unterrichtsfächer kommen demgegenüber kaum oder fast gar nicht in Betracht. Außer diesen völlig unzureichenden Versuchen, der Bevölkerung Bagdads auch nur das Allernotdürftigste an Bildungsmöglichkeiten zu geben, ist seitens des Staates oder der Stadt nichts vorhanden. Hier sind nun, wie überall im Orient, die Franzosen eingesprungen und haben drei Anstalten auf ausschließlich religiöser Grundlage ins Leben gerufen. Die Karmelitermönche leiten zwei Schulen, deren Besuch vollständig unentgeltlich ist; eine einfache Volksschule nach dem Vorbilde der französischen „eeoles primaires" und eine Anstalt für fortgeschrittenere Kinder, in der außer Französisch auch Englisch, Arabisch und Türkisch gelehrt wird. Seitens der „Alliance catholique" wird eine von eingeborenen Priestern geleitete Volksschule unterhalten. Die Schülerzahl dieser französischen katholischen Anstalten .beläuft sich auf rund 1500. Außerdem besteht noch eine Mädchenschule, die von dem früheren Erzbischof von Bagdad, Altmayer, gegründete „Fondation Altmayer11. Hier erteilen die „Soeurs de la Präsentation44 den Unterricht. Die Armenier gregorianischen Bekenntnisses besitzen in Bagdad zwei Schulen, eine für Knaben und eine für Mädchen, die sich aber ebenfalls nur im Rahmen einer bescheidenen orientalischen Volksschule halten. Kurz vor Ausbruch des Krieges ist in Begdad auch eine deutsche Schule eröffnet. worden, die aber zur Zeit meiner Anwesenheit geschlossen war. Sie hat, wie ich überall hörte, in den einheimischen Kreisen großen Anklang gefunden, und es wurde oft ganz spontan mit Bewunderung darauf hingewiesen, daß die Engländer, die schon seit so vielen Jahrzehnten in Bagdad großen Einfluß ausübten, doch nie daran gedacht hätten, eine Schule zu errichten, daß aber, die Deutschen gleich bei ihrem Auftreten zur Errichtung einer solchen geschritten seien. Alle diese, auf die Hebung der Volksbildung gerichteten Bestrebungen werden aber weit von dem übertroffen, was die Israeliten Bagdads, großenteils aus eigener Kraft,^geschaffen haben. Inmitten einer andersgläubigen, fanatischen Bevölkerung, nur auf sich selbst gestellt,' zum überwiegenden Teile ärmlich oder doch nur bescheidenen Wohlstandes sich erfreuend, sind ihnen stets Männer erstanden, die die Kraft ihrer Persönlichkeit und den Rückhalt ihres Vermögens uneigennützig in den Dienst der Volksbildung gestellt haben. Sie allein haben es ermöglicht, daß den Juden im Irak und besonders in Bagdad eine so

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