Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 6 (25.12.1916)
- Article
- Babylon - Bagdad
- Date
- 1916-12-25
- Page
- Seite 159 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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159 große Überlegenheit noch heute innewohnt, daß es diesen Nachkomme» der alten Israeliten noch heute möglich geblieben ist, das Salz diese» Landes 7A\ sein. Fast der gesamte Großhandel, alle einheimischen Unternehmungen im Irak, die Initiative und Überlegung, Voraussicht und Nachdenken erfordern, danken ihr Entstehen jüdischen Vorschlägen. So wie die vergangenen Kulturen des mesopotamischen Landes einen bedeutsamen Einschlag israelitischen Geisteslebens aufweisen und unter den Ratgebern der Herrscher Juden stets eine nicht geringe Rolle gespielt haben, ebenso sind sie es auch, die in dem immer tiefer sinkenden Bagdad versucht haben, -das Licht des Geistes lebendig zu erhalten. So sind sie auch trotz aller Hindernisse und Hemmungen unermüdlich an dem Ausbau ihres Schulwesens tätig gewesen. (Schluß folgt.) Chawe Aus den Erzählungen Tewjes des Milchhändlers von Scholem Alejchem .Deutsch von Alexander Eliasberg „Danket dem Herrn, denn er ist freundlich" — heißt es im Psalm; was Gott tut ist gut; das heißt: es m u ß gut sein; versucht nur einmal, Eure ganze Weisheit zusammenzunehmen und es besser zu machen! So habe auch ich einmal klug sein wollen, hab den Psalmvers hin- und hergedreht; doch als ich sah, daß es nichts hilft, gab ich es auf und sagte mir: Bist ein Narr, Tewje! Kannst den Gang der Welt nicht ändern. Der Herr hat einmal bestimmt, daß wir unsere Kinder in Sorge und Kummer großziehen müssen, also müssen wir auch das mit Liebe und Demut tragen. Da hat sich z. B, meine älteste Tochter — Zeitel heißt sie — in Motel Kamisol, den Schneider, verliebt. Hab ich denn etwas gegen ihn? Er ist allerdings ein - einfacher und unwissender Bursche, kennt sich schwer in den kleinen Talmudbuchstaben aus; aber was soll man tun? Alle können doch nicht gelehrt sein! Dafür ist er ein anständiger - Kerl und arbeitet im Schweiße seines Angesichts. Meine Tochter hat bereits — unberufen — die Stube voller Kinder, und sie beide zehren sich auf in Arbeit und Elend. Und wenn Ihr mit ihr sprecht, so sagt sie Euch, daß sie es, unberufen, sehr gut hat und daß es ihr überhaupt nicht besser gehen kann. Es fehlt nur eine Kleinigkeit: nämlich Brot . . . Das ist Nummer eins. Und von meiner zweiten Tochter, von Hödel, brauche ich Euch nicht zu erzählen; Ihr kennt die Geschichte. Sie