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Neue jüdische Monatshefte · 1916-12-25 · Heft 6 (25.12.1916) · p. Seite 151

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 6 (25.12.1916)
Article
Juden und Deutsche in der Bukowina
Date
1916-12-25
Page
Seite 151 (sequence 9)
Language
German
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151 keine „Assiniilationsjuden" und „Judenliberale'*. Wir stehen nach wie vor auf dem Boden der nüchternen Tatsachenwelt, der nackten Wirklichkeit, der objektiven klaren Erkenntnis, die alle Verschleierungskünste verschmäht, weil wir solche als unanständig, als unser unwürdig, als ziel- und zwecklos von uns weisen, weil wir sie nicht brauchen. Wir ßukowiner kennen nur Juden, Deutsche usw. und nichts anderes. Das genügt, uns für den Aufbau und die Durchführung unserer Politik. Möge die Regierung in Zukunft denselben Standpunkt einnehmen und den Völkern der Bukowina, vor allen den Juden und Deutschen die voneinander unabhängige nationale Entwicklung sichern helfen! Dann wird sich der Grundsatz.: Getrennt marschieren, vereint schlagen, besser noch bewähren als in diesen Zeiten, in denen die Bukowiner ihro österreichische Gesinnung auf dem Schlachtfelde mit ihrem Blute besiegelten. Gibt es einen absolut gerechten Ausgleich? Man kann die Frage verneinen und doch von Fall zu Fall immer wieder an ihrer Lösung arbeiten; als Realpolitiker ist man dazu sogar verpflichtet. Denn gerado der zurückhaltendste Beobachter der Wirklichkeit jagt keinen platonischen Idealen nach, er strebt lediglich das in seiner Zeit und unter den gegebenen Verhältnissen Erreichbare an. Und es ist immer schon viel, erreicht, wenn man verworrene Probleme auch nur stück- und schrittweise klärt, Vorbedingungen für einen friedlichen Wettbewerb schafft und nutzlose lärmende Äußerungen eines stets an die Oberfläche drängenden politischen, nationalen, religiösen oder wirtschaftlichen Hasses tunlichst hintanhält. Der Schreiber dieser Zeilen zählt sich zu den aufrechten, äußerlich und innerlich unabhängigen Deutschen, die jeden faulen Kompromiß ablehnen, jedes ehrliche und anständige Bündnis dagegen schätzen, sofern es dem Volksganzen nutzt. Ein jüdischer Wahl-Schulkataster usw. würde zwar zu einer scheinbaren Verkleinerung des deutschen Besitzstandes in der Bukowina führen, diesem aber auf die Dauer nur förderlich sein. Denn beide Nationen wollen einmütig die Befreiung von Fesseln, die sie längst zerbrochen haben und die bloß der Buchstabe einer burcaukratischen Theorie stets aufs neue erzeugt In der israelitischen Kultusgemeinde ist der nationaljüdische Kataster von selbst gegeben. Scheidet man die Angehörigen der israelitischen Kultusgemeinde aus dem nationaldeutschen Kataster ans, so schwindet di? letzte politische. Unstimmigkeit z.v, Ischen Deutschen und Juden in der .Bukowina, und beide können in Zukunft sich noch leichter verständigen als früher. Das Wortallein bedeutet nichts. Wenn daher gewisse Paragraphenreiter den Juden ihren Charakter als Nation immer noch absprechen w ollten, weil der Jargon keine „selbständige Sprache" sei, so dürften sie gegen die Scheidung in christlichdeutsche und jüdischdeutsche Kataster, sobald diese eine Forderung aller Beteiligen bilden, nichts einwenden können. Bleiben die Dissidenten. Diese kommen, jedoch im österreichischen Osten kaum irgendwo vor. Im übrigen berücksichtigt das Gesetz ja'auch die Lipowaner und andere Volkssplitter im besonderen

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