Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 6 (25.12.1916)
- Article
- Juden und Deutsche in der Bukowina
- Date
- 1916-12-25
- Page
- Seite 152 (sequence 10)
- Language
- German
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152 nicht, sondern nur die großen allgemeinen Gesichtspunkte, die zusammenhängenden Massen. Die einzelne Ausnahme besitzt den Anspruch, toleriert zu werden und im übrigen die Freiheit, sich dieser oder jener Gruppe anzuschließen. Auf solche Weise löst sich sogar ein so verworrenes Problem wie die Nationalitätenfrage in der Bukowina, und da die bisherige fortschreitende Scheidung der verschiedenen Völker dort, sowohl den Juden wie den anderen keinen Nächteil, wohl aber Vorteile zu bringen versprach, den Staat selbst nicht bedrohte, im Gegenteil, die frei und mündig gewordenen, zufriedenen Nationalitäten des Landes die erprobte Entwicklung im Rahmen Österreichs der ungewissen Zukunft in einem der Nachbarreiche vorzogen, kann, man bereits von einem bewährten Musterbeispiel sprechen. Gehen Deutsche und Juden den einmal beschrittenen Weg weiter, so erweisen sie sich neuerdings als P3ahnbrecher des Fortschrittes und der Freiheit, Und der ganze Osten mag dann von ihnen lernen. Ex Oriente lux! Der Krieg schafft Klarheit, bringt Neuordnung hüben und drüben. Man schaut heut mehr denn je nach dem Osten. Vielleicht lernen die großen Gesetzgeber aus der kurzen Geschichte der kleinen Bukowina, wie man zu regieren hat, um ein einträchtiges Miteinander und Füreinander statt Gegeneinander und Auseinander zu erzielen.* Warum hat es in der Bukowina zum Unterschied von Galizien, Bosnien, Tirol u. a. keine irgendwie sichtbare oder gefährliche Irredentei gegeben? Ich überlasse die Beantwortung denjenigen, die zwischen den Zielen dieses Aufsatzes zu lesen vermögen. Die jiddische Schule in Warschau Von Prof. Dr. M. Sobernheim, Berlin I. Die Jargonvolksschule in Warschau Der naheliegende Gedanke, die Kinder in den Volksschulen in ihrer eigentlichen Mutter- und Heimsprache zu unterrichten, geht in Warschau auf den Schulmann J. Dinensohn zurück. Deshalb nennt man diese Volksschulen in Warschau Typ Dinensohn. Sie sind im allgemeinen mit Kinderheimen verbunden, doch steht die Einrichtung noch im Anfangsstadium. Wir können drei Arten unterscheiden: Kinderheime mit Volksschule verbunden, reine Volksschule und reine Kinderheime. Es gibt 6 mit Volksschule verbundene Kinderheime und 4 Volksschulen. Sie alle sind Stätten des Frohsinns. Das Kennzeichen dieser Kinderheime und Schulen ist, daß die Kinder besonders lerneifrig sind und dem Unterrichte gespannt folgen. Man hat ursprünglich unter russischer Herrschaft nur Kinderheime gründen dürfen. Von Volks-