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Neue jüdische Monatshefte · 1916-12-25 · Heft 6 (25.12.1916) · p. Seite 150

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 6 (25.12.1916)
Article
Juden und Deutsche in der Bukowina
Date
1916-12-25
Page
Seite 150 (sequence 8)
Language
German
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150 Juden, die zwar unter Kaiser Josef IL deutsche Familiennamen erhielten, aber eigentlich erst 1848 vollberechtigte Staatsbürger wurden. Seit dieser Zeit entwickelte sich das Judentum in der Bukowina auch im Verhältnis zu den besser gestellten Volksgenossen, die anderswo von Glück begünstigt waren, ungemein rasch und zahlreich, zum Teil unter dem Einfluß der Judenverfolgungen in Rußland. An der 1875 begründeten Universität Czernowitz nahmen die Juden innerhalb der Studentenschaft immer mehr eine führende Stellung ein. Vor Ausbruch des Krieges waren sie an Kopfzahl allen übrigen Nationalitäten weit überlegen. Dementsprechend verfügten sie auch im Lehrkörper bald über eine stattliche Reihe von Dozenten. Außer der winzigen Gruppe der „Assimilanten" gibt es unter den Judtan der Bukowina ebenso wie unter den Deutschen zwei sich gegenseitig scharf bekämpfende Parteien, auf die jedoch in diesem Zusammenhang nicht weiter eingegangen werden soll, zumal es sich hier vorwiegend um persönliche Fragen handelt. Im österreichischen Osten spielen ja überall Persönliclikeiten in der Regel eine größere Rolle als Programme. Und doch wäre es für die Juden und die Deutschen das beste, wenn sie, beide natürlich getrennt, bloß je ein völkisch-politisches Lager bildeten. Ob die von einer döiitschösterreichischen Regierung eingerichtete Universität Czernowitz — 1875 hatten im österreichischen Abgeordnetenhaus die Deutschen noch die Mehrheit — die in die Ncugründung gesetzten Hoffnungen erfüllt hat, darüber gehen die Meinungen sehr auseinander. Sicher ist, daß sie dem Deutschtum nichts genutzt, daß sie vielmehr die Deutschen, wenn auch unbeabsichtigt, geschädigt hat. Denn bis in die achtziger und neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts herauf mußte nahezu der ganze Bedarf an Beamten und Lehrern der höheren Schulen aus dem deutschsprachigen Westen bezogen werden. Das trug, solange der Zuzug andauerte, zur Stärkung und Blüte des Deutschtums wesentlich bei. Sobald aber das Land selbst hinlänglich kultiviert war und die an der Universität ausgebildeten Rumänen, Ruthenen, Polen und einheimische Juden ihre eigene Intelligenz besaßen, traten naturgemäß die bodenständigen Elemente an die erste Stelle der bis dahin ausschließlich herrschenden deutschen Kolonisten. Und seit zwanzig Jahren verschob sieh die Lage gewaltig zuungunsten der Deutschen. Im letzten Jahrzehnt häuften sich die Ernennungen rumänischer und ruthenischer Universitätsprofessoren. Selbst an den weltlichen Fakultäten habilitierten sich zuletzt mehr . Nichtdeutscho als Deutsche. Tief bekümmert sahen die Einsichtigen unter ihnen die kommende Entwicklung voraus. Daher erklärt sicli auch ihr freundschaftliches Verhältnis zu den Juden, in denen sie ihren natürlichsten Bundesgenossen erblickten, trotz allerhand Reibungen auf nationalpolitischem und volkswirtschaftlichem Gebiet. Und an dieser Auffassimg änderte wohl auch der Krieg nichts. Wir Bukowiner ohne Unterschied der Nationalität und Partei kennen eben im Grunde keinen Antisemitismus und Philosemitismus,

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