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Neue jüdische Monatshefte · 1916-12-10 · Heft 5 (10.12.1916) · p. Seite 137

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 5 (10.12.1916)
Article
Streiflichter über jüdische Religion und Wissenschaft
Date
1916-12-10
Page
Seite 137 (sequence 3)
Language
German
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137 in dieser Vision die Lösung der Weltgeschichte. Und wer die Bedeutung des Monotheismus, als die sittliche Lebensfrage des Menschengeschlechts begreift, für den muß die Beschreibung dieses Leides das tiefste tragische Drama sein. Die jüdischen Exegeten haben früh in diesem Knecht Gottes das Volk Israel erkannt. Von Raschi hätte es auch Luther gelernt haben können. Die neuere Bibelforschung verdient nun das höchste Lob dafür, daß sie von den Fesseln der Christologie an diesem heikein Punkte sich freigemacht und zu dieser Erkenntnis sich aufgeschwungen hat. Bei Gunkel muß es daher auffällig werden, daß er die Identität mit Israel fallen läßt und dafür Mose einsetzt. Überhaupt wird hier seine Interpretation in religionsgeschichtlichen Vermutungen schwankend. Er ruft den kosmischen Schöpfungsgedanken zur Deutung herbei, während vielmehr nur der Schöpfer des Menschen hier zum Durchbruch kommt. Messias und Jahvcknecht sollen ferner „konkrete Personen" sein, „die freilich nicht der gemeinen Wirklichkeit, sondern der Welt des Glaubens angehören". (S. 213.) Werden sie aber nicht dadurch zu idealen Gestalten und als solche wiederum zu symbolischen? Gunkel bezieht sich aus sekundärer Literatur auf einen Midrasch, in dem „der Messias zwar schon erschienen sei, aber vor den Toren des gottlosen Roms selber unter den Armen, Kranken und Verwundeten sitzen müsse, so heißt es hier vom Jahvcknecht: auch er ist schon aufgetreten, freilich in stiller Verborgenheit." War denn nicht aber Israel längst, aufgetreten, und keineswegs in stiller Verborgenheit, mit der Botschaft vom Einzigen GottcV Sehwellt nicht dieses Hochgefühl von Israels Leidenslaufbahn den inneren Sinn dieses Kapitels? „Wer hätte unserer Kunde geglaubt?" „Doch in seinem Zeitalter, wer sann dem nach, daß er ausgetilgt ward aus dem Lande der Lebenden?" So. sentimental unterbricht der Dichter seinen epischen Ton. Mit solchem geschichtlichen Vorblick wendet er zugleich sich doch an sein Zeitalter. Gunkel entstellt diese Tragik der Geschichte Israels, welche nach- und vorgezeichnet ward an diesem Gottesknecht, durch den willkürlichen Schluß, den er dieser Fabel gAnz nach der alten Fassung gibt: „ja, zuletzt ist er gar gestorben, einem Gott geschlagenen gleich. So ist alles aus und die Hoffnung verloren." Keineswegs ist hier mit dem Tode alles aus, sondern der Tod schließt nur dadurch das Leidensbild ab, daß er Gelegenheit gibt zu dem Satz: „man gab bei den Frevlern sein Grab." Und ebenso wird auch der Tod nur geschichtlich bezeichnet: „er ward abgeschnitten aus dem Lande der Lebenden." Diese Ausstoßung vom Leben der Welt sieht der Prophet als das Schieksal Israels bevorstehend. Aber um so zuversichtlicher richtet er die Hoffnung auf: „er wird Samen säen, die Tage verlängern und der Beschluß Gottes wird in seiner Hand gelingen." Gunkel fahrt selbst auch fort: „nun aber rafft sich der Glaube empor: Israel wird dennoch erlöst." Dies bedeutet aber nichts anderes als daß es keineswegs gestorben sei, so daß es auch gar nicht aufzuerstehen braucht, sondern daß es in geschichtlicher Kontinuität fortlebt, v

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