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Neue jüdische Monatshefte · 1916-12-10 · Heft 5 (10.12.1916) · p. Seite 138

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 5 (10.12.1916)
Article
Streiflichter über jüdische Religion und Wissenschaft
Date
1916-12-10
Page
Seite 138 (sequence 4)
Language
German
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138 Es bedarf daher der Gelehrsamkeit gar nicht: „bei der Erwartung vom Tode und der Auferstehung des Jahveknechtes hat, wie es scheint, heidnischer Glaube mitgewirkt/' (S. 214.) Schon der Tod ist nur in der angegebenen Weise für das „Grab mit den Frevlern" und für die Ausstoßung vom Leben angedeutet: von der Auferstehung aber steht kein Wort im Text. Diese Einfügung konnte nur geschehen, um den Abschluß des ganzen Aufsatzes einzuleiten: „einst aber wird der größte aller Propheten kommen, der sterben muß den schmachvollsten Tod. .Aber seine Jünger werden hinzufügen: er ist auferstanden! Und sie werden hinweisen auf diese Weissagung vom sterbenden und auferstandenen Gottesknecht." Diese Deutung mag Theologie sein, wenn sie es noch sein darf; Bibelexegese aber ist sie nicht. Durch solche Projektionen wird das Verständnis eines geschichtlichen Textes von so großer innerer Bedeutung methodisch nicht gefördert. Durch solche Ausweichungen wird die Frage nicht vermieden, welche sich für das literarische Urbild der Passionsgeschichte hier unabwendlich erheben muß. Der Gottesknecht ist nicht der sterbende und auferstandene, sondern der leidende und der fortlebende. Der Gottesknecht ist Israel. So haben es die christlichen Bibelforscher in Übereinstimmung mit den alten jüdischen Exegeten jetzt beinahe wohl einstimmig anerkannt. Und so harren wir getrost auch der Zeit, in welcher die Einsicht ein Gemeingut der Bildimg werden wird: Das Leiden des Messias ist der Trost, ist die Hoffnung Israels für seine geschichtliche Zukunft bis an „das Ende der Tage". Soziologische Tagebuchblätier Von Dr. Franz Oppenheimer 3 Aus einem Brief an einen Freund Hochverehrter Freund! Wollen Sie mir gestatten zu sagen, daß Sie das Problem nach meiner Meinung nicht ganz richtig stellen: man muß sich darüber klar werden, was man unter „Rasse" versteht. Rasse bedeutet für die meisten Theoretiker einen Inbegriff geistiger und leiblicher Eigenschaften, die einem bestimmten Volkstum von Anfang an als Anlage mitgegeben worden sind und sich als Charakter indelebilis durch alle Zeiten hindurch unveränderlich erhalten. Zu dieser Auffassung werden auch Sie sich nicht bekennen wollen. Sie ist völlig unhaltbar. Für andere bedeutet „Rasse" einen Inbegriff von Eigenschaften, die durch die historischen Schicksale und die wirtschaftlich-soziale Lagerung ausgebildet worden sind. Und hier hat man wieder zwei Untergrupppen zu unterscheiden: Für die eine (die größere) handelt es sich um sehr langsam entwickelte, sehr fest sitzende Eigenschaften, die sich dann auch, trotz Veränderung des Milieus, sehr lange erhalten. Für die zweite (die kleinere, vertreten

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