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Neue jüdische Monatshefte · 1916-12-10 · Heft 5 (10.12.1916) · p. Seite 128

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 5 (10.12.1916)
Article
Der Geschichtsquellenwert der althebräischen Literatur
Date
1916-12-10
Page
Seite 128 (sequence 5)
Language
German
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12S hat, aber nunmehr wird es Zeit* daß sie auch die ü b e r e i n s t i m m e n - den Bestandteile derselben ins Auge faßt und würdigt. Dies ist aber um so mehr die Pflicht der Forschung, als die übereinstimmenden Momente der Quellenberichte das Wesentliche in ihnen sind, wie ja z. B. die Nachricht vom faktischen Siege bei Waterloo die Hauptsache in allen Berichten ist, mögen auch die Erzählungen über Umstände, die dem entscheidenden Eingreifen Blüchers vorangingen, in dem einen oder anderen Punkte differieren. Und ist etwa der Übergang Hannibals über die Alpen keine Tatsache, weil die Geschichtschreiber Polybius und Livius in ihren Angaben über den Ort dieser Überschreitung der - Alpen voneinander abweichen? Ja, die gemeinsamen Aussagen der verschiedenen Quellenberichte über die Gestalt Abrahams selbst, seine spezifische Gottesbeziehung und sein fortgesetztes Beharren in dieser religionsgeschichtlichen Stellung, das bleibt der Kern der Geschichte, ohne den sich die Schale mit ihren verschiedenen Furchen und Färbungen gar nicht hätte bilden können. Ja, die Kritik hat nicht nur ihre Grenzen, sondern leistet sogar einen positiven Dienst für das Verständnis und die Würdigung des überlieferten Geschiehtsberiehts. Denn erstens hilft die Unterscheidung der Quellenströmungen dazu, die Schwierigkeiten verstehen zu lehren, die z. B. in dem Verlaufe der biblischen Abrahamsgeschichte liegen und natürlich oft gegen deren Glaubwürdigkeit geltend gemacht werden. Nämlich nach den Zeitangaben von Gen. 16, 16; 17, 1 und 21, 8 wäre Ismael, als Hägar mit ihm fortgeschickt wurde, ungefähr sechszehn Jahre alt gewesen, und doch heißt es in 21, 14, daß Abraham ihr den Jungen samt einem Wasserschlauche auf den Rücken gelegt hat. Diese Schwierigkeit wird erleichtert, wenn man bedenkt, daß die ebenerwähnte Handlung Abrahams in einer anderen Quellenschrift (der eiohistischen) steht, als jene Zeitangaben, die gleich den meisten Zeitbestimmungen in der esoterischpriesterlichen Erzählungsreihe gegeben sind17). Oder z. B. wird von Sara noch in 20, 2 ff. erzählt, daß sie den König von Gerär dazu reizen konnte, sie in seinen Harem holen zu lassen. Und doch ist Sara schon in 17, 17 als eine Neunzigjährige bezeichnet Auch diese Schwierigkeit erscheint in milderem Lichte, wenn man erfährt, daß die beiden Stellen in verschiedenen Quellschriften, und zwar wieder der eiohistischen und der esoterisch-priesterlichen, enthalten waren und dann von einem Schlußverfasser zusammengefaßt worden sind, der, wie z. B. auch die Ägypter es machten, möglichst viel von den alten überlieferten Materialien bewahren wollte18). Und die aus unabhängigen sprachlichen und sachlichen Merkmalen abgeleitete Erkenntnis, daß der uns vorliegende Gesamt- 17) Über die letzterwähnte Quelle kann Genaueres z. B. in meiner Geschichte usw., S. 36, Anm. 2 gefunden werden. 18) Alfr. Wiedemann, Die Toten und ihre Reiche im Glauben der alten Ägypter (1900), S. 9: „In Ägypten bewahrte man in treuem Sinn alles das, was einBt die Vorfahren geglaubt, zugleich mit allem, was spätere Generationen hinzugefügt hatten."

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