Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 5 (10.12.1916)
- Article
- Der Geschichtsquellenwert der althebräischen Literatur
- Date
- 1916-12-10
- Page
- Seite 126 (sequence 3)
- Language
- German
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126 in denen von der allgemeinen Weltgeschichte gesprochen werde, während Jahve („der Herr*4) gebraucht werde, wo es sich um die Anbahnung der speziellen Heilsgeschichte handle14). Denn dies ist schon nicht in der Geschichte von Kain und Abel der Fall und ebensowenig in der vom Turmbau zu Babel (11, 1—9). Ferner, wie könnte dann z. B. in Kap. 17, wo der Bund mit Abraham geschlossen wird, nur die allgemeine Bezeichnung „Gott" gebraucht sein? Vielmehr ist anzuerkennen, daß schon in den erwähnten Abschnitten von zwei Erzählern über die Anfänge der Welt- und Menschheitsgeschichte geschrieben worden ist. Der eine von ihnen (1, 1—2, 3 usw.) hat den Namen „Jahve" in der vormosaischen Zeit vermieden, wie er auch selbst in Exod. 6, 2 f. erklärt, aber der andere hat den zu seiner Zeit gebräuchlichen Namen „Jahve" auch schon in der vormosaischen Zeit verwendet, weil es ihm nicht so sehr auf äußerliche Unterscheidung der Perioden ankam. Um beide Reihen von Erzählungen zu verbinden, ist in 2, 4 ff. zu dem Ausdruck „Jahve" die Bezeichnung „Gott" hinzugefügt worden (so im Hei bräischen), damit dem Leser angedeutet werde, daß in beiden Abschnitten eben dasselbe Gotteswesen gemeint sei. Zu diesem Unterschiede der Abschnitte 1, 1—2, 3 und 2, 4 b—4, 24lö) gesellen sich noch andere hinzu, wie denn z. B. die göttliche Schöpfertätigkeit in 1, 1—2, 3 durch das Zeitwort bara1 „schaffen" bezeichnet wird, dies aber der Verfasser von 2, 4 b ff. vermeidet, oder wie in 1, 1— 2, 3 von Tagen, aber in 2, 4 b nur von einem Tage gesprochen wird usw. Durch diese und viele andere Gründe ist die wissenschaftliche Forschung auch nach meiner Überzeugung notwendigerweise zu dem Urteile hingedrängt worden, daß zunächst die ersten fünf Bücher des althebräischen Schrifttums aus mehreren Hauptquellen zusammengeleitet worden sind, in denen die Überlieferungen Israels über die älteste Zeit'der Menschheit und Israels aufgezeichnet worden waren, wie sie wahrscheinlich in verschiedenen nationalen und kultischen Mittelpunkten des Volkes (Sichern, Hebron, Silo, Jerusalem) sich ausgestaltet hatten. Die Richtigkeit dieses literarkritischen Urteils könnte noch vielfach weiter begründet werden, und man spricht deshalb jetzt auch nach meiner Ansicht mit Recht von einer elohistischen und einer jahvistischen Quellenströmung innerhalb des Peiitateuchs. Ich meine also auch meinerseits durchaus sagen zu müssen: Die sogenannte Literarkritik hat ihre Gründe10). Aber ich füge auch sofort als den andern Teil meiner Überzeugung diesen Satz hinzu: Die Quellenkritik hat ihre Grenzen. Die Quellenscheidung hat zunächst in den Büchern des Peiitateuchs schonin bezug auf die Trennung der Quellen von deren Z u - M) Dieser Erklärungsversuch wird nämlich immer wieder bis in die neueste Zeit von manchen (z. B. C. F. Keil, Einleitung in das A. T. § :-UJ) vorgetragen. **) 2, 4 a ist nach Wahrscheinlichkeit vom Schlußverfasser eingeschaltet worden. lu) Ganz im einzelnen ist dies mit Bezug auf die neuesten Verhandlungen gezeigt worden in meiner Schrift „Die moderne Pentateuchkritik"