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Neue jüdische Monatshefte · 1916-12-10 · Heft 5 (10.12.1916) · p. Seite 125

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 5 (10.12.1916)
Article
Der Geschichtsquellenwert der althebräischen Literatur
Date
1916-12-10
Page
Seite 125 (sequence 2)
Language
German
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125 tung unbeurteilt gelassen werden, die von der Textkritik zu anderen Teilen der Kritik hinüberführt. Bei der Kanonisierung der religiösen Schriften Israels sollen nämlich „retouchierende" Hände tätig gewesen sein, um Lücken in ihnen durch Ergänzungen auszufüllen und Widersprüche durch Streichungen auszugleichen Aber gegen diese Grundvoraussetzung ist folgendes zu sagen: a) Israelitischen Lesern ihrer heiligen Schriften kann nicht zugetraut werden, daß sie religionsgeschichtliche Aussagen erdichtet hätten, um angebliche Lücken auszufüllen und auf solche Ergänzungen dann ihre Überzeugung zu gründen und ihre Hoffnung zu bauen, b) Man hat z. B. auch nicht beweisen können, daß wegen jenes Prinzips Mich. 1--3 durch Kap. 4L ergänzt worden sei. Stade hat zwar gemeint, daß letztere beiden Kapitel nicht im. 8. Jahrhundert geschrieben sein könnten, weil in ihnen nicht mit einem bestimmten einzelnen Volke, sondern mit unbestimmt „vielen Völkern4' gedroht sei. Aber dieser Einwand ist längst und auch z. B. wieder von H. Gressmann12) mit Hinweis auf Jes. 5, 2G und 29, 7 widerlegt worden, c) Das Prinzip, etwaige Verschiedenheiten der einzelnen Schriften durch „Streichungen44 zu beseitigen, haben die Sammler des israelitischen Kanons faktisch nicht angewendet. Das ersieht man ja z. B. gleich aus der Verschiedenheit der beiden Schöpfungsdarstellungen in Gen. 1 und 2, wonach die Tiere teils vor dem Menschen und teils nach dem Menschen geschaffen worden sind usw. Die Sammler des israelitischen Kanons haben vielmehr eine pietätvolle Sitte des Altertums befolgt, wonach die Alten von den Überliefeningen soviel bewahrten, als sie nur irgend sammeln konnten. Dieser Standpunkt ist ja schon von Herodot mit den Worten angedeutet worden: „Ich fühle mich verpflichtet, alles zu erzählen, was man sich erzählt, es zu glauben fühle ich mich nicht ebenso verpflichtet44 (7, 152). Also auch durch jene aus Stades Buch belegte moderne Anschauung konnte die Zuverlässigkeit der alten Schriften Israels nicht untergraben werden. Doch gilt es nun ferner, diese Schriften unter literarkritischem Gesichtspunkte zu betrachten. Dies meine ich aber am klarsten folgendermaßen tun zu können. Liest man gleich im ersten Buche des Pentateuchs Kap. 1, so findet man in ununterbrochener Reihe die Gottesbezeichnung „Gott". Erst in 2, 4 b begegnet „der Herr Gott44 und so bis zum Schlüsse des ä. Kapitels, nur daß in V. 1 b, 3 und 5 im Gespräche zwischen Schlange und Weib der Name „der Herr" (d. h. Jahve) vermieden ist13), und endlich in 4, 1—24 begegnet nur die Gottesbenennung „der Herr44. Diese Abwechslung im Gebrauch der Gottesbezeichnungen, die schon den Alten, .wie z. B. auch Tertullian, aufgefallen ist, kann nun nicht so erklärt werden, daß „Gott44 in denjenigen Partien der Erzählung gewählt sei, ") So bei Stade, Geschichte Israels I, S. 14 f., 80 f. und anderen. 12) Der Ursprung;der israelitisch-jüdischen Eschatologie (1005), S. 178 f.; vgl. meine Geschichte usw., S. 388—96! 13) "Wie auch z. B. in der Fabel Jothams (Rieht. 9, 8—15) im Gespräche der Bäume der hochheilige Name „Jahve" nicht gebraucht wird.

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