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Neue jüdische Monatshefte · 1916-12-10 · Heft 5 (10.12.1916) · p. Seite 119

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 5 (10.12.1916)
Article
Das Judentum in Ägypten
Date
1916-12-10
Page
Seite 119 (sequence 5)
Language
German
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119 Mit der britischen Schutzherrsehaft veränderten sich die Verhältnisse von Grund aus. In dem Streben, dem englischen Regiment eine zuverlässige Rückendeckung'zu schaffen, bevorzugte C r o m e r einseitig das müslimische Element, was um so merkwürdiger erscheint, als er sich in seinem bekannten Werk „Modem Egypt" mit der den Briten eigentümlichen Versändnislosigkeit für die Seele des Islam höchst abfällig über die Kulturwerte und die Entwicklungsmöglichkeiten des Mohammedanismus ausspricht. Mit der Begünstigung der Mohammedaner erwachte ihr geistlich-orthodoxes Eiferertum am Nil wie überall, wo der Staat das islamische Gesetz von der übergeordneten Stellung des Tabaa, des rechtgläubigen Herrenvolkes, über die Kafir, die Herde der ungläubigen Bürger zweiter Klasse, anzuerkennen scheint. Die nationalistisch« Bewegung, die richtiger als müslimische Fronde zu bezeichnen wäre, da sie, wie es schon ihre intimen Beziehungen zur allislamischen Flutung beweisen, eine ausschließlich mohammedanische Organisation ist, entstand und breitete sich mit elementarer Kraft aus. Das britische Regiment aber geriet zwischen zwei Feuer. Auf der einen Seite standen mürrisch — mit Ausnahme der koptischen und jüdischen Geldaristokratie, deren bevorzugte Stellung unangetastet blieb — die Christen. Der Kopfzahl nach machen sie zwar nur 14 v. II. der Bevölkerung aus, wovon 8 v. H. auf die abendländischen Denominationen, 6 v. IL auf die koptische Kirche entfallen. Aber als geistige Auslese spielen sie eine führende Rolle, wie es schon die Schulstatistik scharfen Lichtes zeigt: von sämtlichen Zöglingen der Regierungsschulen, das heißt der höheren und mittleren Lehranstalten, mit Ausnahme des Kuttabs, der primitiven Volksschulen, gehört über ein Drittel ihrem Bekenntnis an. Sie also, und nicht anders die koptische und jüdische Intelligenz, wurden gerade an ihrer empfindlichsten Stelle, an ihrem Bildungsstolz getroffen, wenn Cromer dazu überging, die ihrer Partei überlassencn Stellen immer mehr zu verringern, um sie dem Mohammedanertum zu überlassen, den Zutritt zu den höchsten Provinzialämtcrn der Mudirs und Mamurs den „Rajahs" ganz zu verschließen und ihre Schulen durchaus auf die privaten Hilfsleistungen der Patriarchate anzuweisen, ja ihren Lehrern grundsätzlich keinen Unterricht an den sogenannten Hauptschulen der Regierung mehr zu gestatten und aus deren Lehrplan den christlichen Unterricht zu streichen. Die Mohammedaner aber setzten sich aufs hohe Pferd und suchten die Autorität der Briten zu untergraben, wo es nur anging. Die nationalistische Hetzpresse bezeichnete es als Schimpf und Schande, daß ältere und landeskundige eingeborene Beamte den Anweisungen der jüngeren britischen Inspektoren Folge leisten sollten, und tatsächlich fingen die Mudirs, Kaschifs, Kaimakams und sonstigen Provinzial- und Ortsgewaltigen alsbald an, sich immer mehr über die Anordnungen der fremden Berater hinwegzusetzen. Die mohammedanisierten Schulen aber wurden zu Pflanzstätten des radikalen Nationalismus. Kennzeichnend ist es, daß die sogenannte Reform El Aschara, der „Ahne der Universitäten", die ihren Weltruf einst durch freie Wissenschaftlichkeit in der Zeit arabischer Gcsittungs-

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