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Neue jüdische Monatshefte · 1916-12-10 · Heft 5 (10.12.1916) · p. Seite 118

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 5 (10.12.1916)
Article
Das Judentum in Ägypten
Date
1916-12-10
Page
Seite 118 (sequence 4)
Language
German
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116 dunkeln drohte, im Kapitol stets als unsichere Kantonisten angesehen wurden. Es schien notwendig, dieser wenigen Charaktemerkmale vom Bilde des altägyptischen Judentums zu gedenken, um eine Betrachtung seiner Stellung im modernen Nilreich auf festen Standgrund zu stellen. In der trefflichen, die anthropologischen, demographischen und soziologischen Verhältnisse synoptisch umfassenden und kritisch durchleuchtenden Studie The Jews, a study of race and environmentx), hat Fishberg auf dem Fuß jener Forschungen und Erkenntnisse Luschans und Erckerts festgestellt, daß es Rasseneigentümlichkeiten der Juden als Gesamtheit nicht gibt. Ihr Anpassungsvermögen an die verschiedenartigsten Bedingungen der klimatischen, geographischen und sozialen Umschicht sei lediglich die Wirkung ihrer nüchternen, allen Ausschreitungen abgeneigten, verstandesmäßigen Lebensart; in Schädelform, Hautfarbe, Haar ähnelten sie mehr oder weniger vollkommen ihren Wirtsvölkern. Nichts spreche gegen die Möglichkeit, daß schließlich im Judentum auf dem Boden politischer Gleichberechtigung eine allmähliche Angleichung mit der nichtjüdischen Masse sich vollziehe, die denn auch schon jetzt eine gewaltige, meist unterschätzte Menge von Familien, die aus Mischehen oder getauften Juden beständen, in sich berge. Ägypten und vorab seine Hauptstädte, Kairo und Alexandria-, mit ihrem internationalen Völkergemisch sind das schärfste Spiegelbild dieser Wahrheiten. Sind schon die spanisch-portugiesischen Juden und ebenso die türkischen Dönmehs von den Mittelmeerumwohnern, in deren Mitte sie leben, nur in seltensten Fällen zu unterscheiden, so kann gewiß ein Reisender, der nicht ganz besonders auf anthropologische Studien ausgeht, wochenlang am Nil umherreisen, ohne daß ihm im Rassendurcheinander, dem er begegnet, gerade ein jüdischer Typ besonders auffiele. Gezählt werden nur einige 25 000 Juden; aber die wirkliche Durchfilterung des Volkstums mit israelitischen Bestandteilen, die sicherlich sehr stark ist, erfaßt die Statistik zweifellos nicht. Jedenfalls spielen die Juden in Ägypten nach wie vor eine sehr bedeutende und eigenartige Rolle, und zwar in einer Form, die als eine merkwürdige Fortsetzung des Films eben jener Szenenbilder erscheint, die alte Urkunden dem geistigen Auge vorführen. Ismail Pascha, der so sehr zu Unrecht geschmähte Khediv. war zweifellos derjenige Regent des Nilreichs, der am klügsten und mit feiner Diplomatie das verwickelte ägyptische Ra-ssen- und Religion^- problem einer Lösung entgegenführte. Er behandelte Christen, Juden und Müslims auf durchaus paritätischem Fuß und erreichte dadurch, daß die Religionsgemeinschaften in einer Duldsamkeit zusammenlebten, die man früher niemals gekannt hatte: jeder Bekenner des Propheten konnte ungestört eine christliche Kirche oder Synagoge und umgekehrt jeder Christ anstandslos ein Gotteshaus fremden Glaubens besuchen. *) Walter Scott Publishing Co.. London 1910.

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