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Neue jüdische Monatshefte · 1916-11-25 · Heft 4 (25.11.1916) · p. Seite 110

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 4 (25.11.1916)
Article
Streiflichter über jüdische Religion und Wissenschaft
Date
1916-11-25
Page
Seite 110 (sequence 5)
Language
German
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110 zugleich in bezug auf das Gottesreich auf Erden. Der Messias muß daher in beiderlei Sinne der Mittelpunkt des Prophetismussein. Wenn nun das Verhältnis des Messias zu Christus für die Bibelexegese des Alten Testaments herangezogen wird, so kann dieses nicht daraufhin zu untersuchen sein, ob die Prophetie der einen oder der anderen Verküncler innerhalb der christlichen Theologie als das „Hauptstück im Alten Testament" betrachtet worden sei, sondern für die Verbindung des Alten und des Neuen Testaments bildet das Verhältnis von Messias zu Christus an und für sich das fundamentale Problem. Unser Exeget aber sagt: „ Da der Christus im Neuen Testament im Mittelpunkt der Spekulation steht, so hat man Ähnliches auch für die prophetische Verheißimg als selbstverständlich angenommen und das Ganze daher „messianische Idee" genannt; solche zentrale Stellung aber nimmt die Messiasgestalt bei den Propheten nicht ein". Wir fragen dagegen erstlich: Hat der Verfasser denn nachgewiesen, oder es etwa als selbstverständlich erklärt, daß der Christus der griechischen Übersetzung des hebräischen Wortes in seiner Bedeutung innerhalb des Neuen Testaments identisch sei mit dem Messias des prophetischen Urwortes? Nur in diesem Falle könnte die zentralere Stellung des Christus-Messias diesem vielleicht den Vorzug geben vor dem prophetischen Messias. Wie kann aber ferner der Verfasser nach seiner Beurteilung des prophetischen Gottes es verstehen, daß die Messiasgestalt, die doch mit diesem Gotte innigst verbunden ist, bei den Propheten nicht eine „zentrale"Stellung" eingenommen hätte? Oder beruht etwa diese Unterscheidung darauf, daß die zentrale Stellung nicht eine „solche", wie die von Christus im Neuen Testament sei? Verhielte es sich aber wirklich so, so könnte dies nur darin seinen Grund hüben, daß die ganze religiöse Bedeutung eine andere ist und daß davon die nicht in gleicher Weie zentrale Stellung abhängt. Hier liegt der offenbare methodische Fehler in dem ganzen Gedankengang des Exegeten. Nun aber müssen wir erst die Fortsetzung des Satzes anführen: „weshalb dieser. Ausdruck, der dem Irrtum vergangener Geschlechter entstammt, aus unserem wissenschaftlichen Sprach gebrauche wieder verschwinden -ollte". Für diesen Schluß fehlt es uns :m aller Möglichkeit des Verständnisses. Weil die vergangenen Geschlechter innerhalb des Christentums dem Messias die falsche Stellung gleich dem Christus gegeben haben, deshalb müsse die messianische Idee aus dem „wissenschaftlichen Sprachgebrauche verschwinden"? Der wissenschaftlichen Forschung sollte also das Problem der messianischen Idee schlechterdings entrückt werden, weil die Analogie von Christus und Messias ein Irrtum sei? Müßte man da nicht umgekehrt folgern, daß die griechische Übersetzung des hebräischen Wortes in seiner Vieldeutigkeit auf einem Irrtum beruhe? Die messianische Idee aber kann nicht gestriehen werden aus dem „wissenschaftlichen Sprachgebrauche", wenn aus diesem nicht überhaupt, die Idee des Prophetismus verschwinden soll Der Prophetismus ist Messianismus. Und der zugestandene'Universalisliius hat nur einen halben Sinn, wenn er nicht ergänzt wird durch den.

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