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Neue jüdische Monatshefte · 1916-11-25 · Heft 4 (25.11.1916) · p. Seite 100

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 4 (25.11.1916)
Article
Der Geschichtsquellenwert der althebräischen Literatur
Date
1916-11-25
Page
Seite 100 (sequence 7)
Language
German
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100 wird, er habe eine Tamariske zu Beer&aba gepflanzt (Gen. 21, 33), und wenn dieser Baum auch vielleicht zunächst eine Kultstätte markieren sollte, so diente der langlebige Baum doch zugleich als Stütze der Erinnerung daran, daß der erste Patriarch an jenem Orte gesiedelt hat. Ebendenselben Dienst aber leistete, um nicht die von Abraham und anderen Erzvätern gegrabenen Brunnen (21, 25 usw.) zu erwähnen, die zum Erbbegräbnis bei Hebron erworbene Höhle, die fünfmal in verschiedenen Quellen erwähnt wird (23, 20 usw.), in eminentem Maße. Wer denkt ferner nicht auch an den „Steinhaufen des Zeugnisses" (31, 47), die Institution für die Vererbung des geschichtlichen Ursprungs der Passahfeier, den Krug mit Manna, die Gesetzestafeln, den grünenden Stab Aarons? Einen Haltpunkt für die Volkserinnerung sollten ferner auch die zwölf Steine. bilden, die aus dem Jordan nach dessen glücklicher Überschreitung genommen und aufgestellt wurden (Jos. 4, 6 ff.).. Ein besonders bemerkenswertes Zeugnis für Israels Sinn, alte Tatsachen durch sichtbare Denkmäh r unvergeßlich zu machen, ist aber der Altar, der von den ostjordanischen Stämmen am Westufer des Flusses als stummberedtcr Herold ihrer nationalen und religiösen Zugehörigkeit zum Volke des Ewigen erbaut wurde (Jos. 22, 2G ff.). Israel hat ja ferner auch Schlachtdenkmäler errichtet. Wie hell leuchtet die Inschrift auf dem Siegesdenkmal zu Mizpa (1. Sam. 7, 12): „Eben Ezer" („Stein der Hilfe'* des Ewigen) in die kommenden Zeiten hinein! Nationaltrophäen ferner hing auch Israel im Heiligtum auf: Goliaths Schwert zu Nob (1. Sam. 21, 0). So recht in den Grund der Volksseele hinein läßt uns aber auch das blicken, was von Absalom erzählt wird, daß er eine Säule zur Bewahrung der Erinnerung an seinen Namen aufstellen ließ, weil er keinen Sohn hatte (2. Sam. 18,- 18). Sonst hätte dieser naturgemäß für die Vererbung der Familientradition gesorgt! Auch das ist noch interessant, daß der Prophet Jeremia eine Kaufurkunde in ein irdenes Gefäß legte (32, 14), damit sie lange vor dem zerstörenden Einfluß der Witterung geschützt bleibe. Da befolgte er ja dieselbe Sitte, die auch schon in vormosaiseher Zeit beobachtet wurde, weil das Archiv des kanaanitischen Königs von Thaanach in „einer großen Tonkiste4' aufgefunden worden ist0). Eben dieses Interesse für die Fflege der geschichtlichen Erinnerung tut sich ferner auch darin kund, daß Israel nach vielen Spuren ein wachsames Auge für die Veränderungen im Geschieh t s v e r 1 a u f hatte und sie notierte. Denn Israel beobachtete erstens die einander ablösenden Ereignisse der oft mit ehernem Gedröhn einherschreitenden politischen Geschichte, die überall in den Annalea verzeichnet zu werden pflegen, mit bemerkenswerter Schärfe, wie ja z, B. in der sogenannten Völkcrtafel (Gen.. 10) zwar Babylon mit vielen Hauptteilen und Städten seines Gebietes erwähnt ist (V. 8—12), aber eine Notiz über die Chaldäer vergebens gesucht wird! Es war hei den Hebräern nicht unbeachtet geblieben, daß die Chaldäer früher zu politischer Passivität gezwungen worden waren (vgl. Jes. 23, 13). °) Ernst Sollin, Teil cl-Ta'annek (1904), S. 98.

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