Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 4 (25.11.1916)
- Article
- Der Geschichtsquellenwert der althebräischen Literatur
- Date
- 1916-11-25
- Page
- Seite 99 (sequence 6)
- Language
- German
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99 sondern bloß bis auf David zurückdatiert hat (1. Chron. 25, 1; 2. Chron. 29, 25). Also um es kurz zu sagen: Die Unterscheid unfeiner 'vormosaischen Periode im geschichtlichen Be>yußtsein Israels ist ein noch lange nicht genug beachteter Kardinalpunkt für die Würdigung der Geschichtsbücher dieses Volkes. b) Als zweiter Anhaltspunkt für das Urteil über die Geschichtschreibung Israels betreffs seiner älteren Zeit ist die Tatsache geltend am machen, daß in den auf uns gekommenen Geschichtsbüchern ausdrücklich zwei alte Qu eilen werke zitiert werden. Das erste von ihnen ist „das Buch von den Kriegen Jahvcs" (Num. 21, 14), d. h. eine Schrift über die Kämpfe, die unter der unsichtbaren Führung des ewigen Gottes (vgl. Jos. 5, 14: Ich bin der Fürst über das Heer des Ewigen) und zur Ehre seines Namens ausgefochten worden sind. Dieses Buch kann natürlicherweise den Bericht über Abrahams Heldenkampf gegen die fremdländischen Eroberer (Gen. 14) enthalten haben, denn dieser Bericht erweist sich durch seine vielen Glossen als alt. Die zweite Quellenschrift, welche zitiert wird, ist „das Buch des Redlichen" (Jos. 10, 13 und 2. Sam. 1, 18), d. h. die Schrift, welche Leistungen oder Musterbilder des idealgesinnten Israeliten darstellte oder vielmehr poetisch verherrlichte, denn diese zweite Quellenschrift enthielt nach der ausdrücklichen Angabe in 2. Sam. 1, 18 die Elegie Davids auf Saids und Jonathans Tod, die beim Bogenschießen der Jünglinge zu deren Erinnerung an jene beiden Helden gesungen werden sollte. Da auch das andere Zitat aus diesem Buche (Jos. 10, 13) rhythmisch geformt ist, so war die zweite alte Quellenschrift eine dichterische Anthologie und kann leicht solche Poesien enthalten haben, wie sie in die Erzählungen über die ältere Zeit eingestreut sind, wie z. B. die „Signalworte" (Num. 10, 35 f.). Folglich ist keineswegs vorauszusetzen, daß die jetzt noch vorhandenen Geschichtsbücher Israels über seine früheste Zeit der literarischen Quellen entbehrt haben, und dies ist doch auch wieder ein gewichtiges Moment bei der Würdigung dieser Geschichtsbücher. . c) Der dritte Felsblock, der eine Grundlage für die Vertrauenswürdigkeit der Nachrichten Israels über seine geschichtlichen Anfänge bildet, existiert allerdings zunächst nur im Reiche der Ideen, aber ich hoffe, daß er sich als eine sehr reale Größe erweisen wird. Dieser dritte Felsblock ist das lebendige Interesse Israels für die Pflege seiner geschichtlichen Erinnerungen. Von diesem freilich bis jetzt fast gar noch nicht beachteten Eifer Israels für die Erhaltung des Andenkens an seine geschichtlichen Erlebnisse gibt es sehr viele Symptome. Sobald bei den Geschichtsforschern das Auge für sie nur überhaupt erst geöffnet sein wird — und dies zu erzielen, ist mein eifriges Bestreben —, dann werden sie bei diesem Volke eine ganze Fülle von Anzeichen des Sinnes für die Pflege der geschichtlichen Erinnerungen entdecken. Denn erstens zeigt sich Israel von jeher nicht wenig darauf bedacht, sich ilußerliche Stützen seiner Erinnerung zu schaffen. Man denke doch z. B. daran, daß schon von Abraham erzählt