Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 4 (25.11.1916)
- Article
- Der Geschichtsquellenwert der althebräischen Literatur
- Date
- 1916-11-25
- Page
- Seite 98 (sequence 5)
- Language
- German
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96 Wichtigere vom Inhalt der Quellen zu würdigen, auch aus dem Wesen der Sache selbst begründen. Denn das in den Schwingungen des Äthers zu uns getragene und vielleicht in sieben Farben sich differenzierende Licht setzt außer dem Medium, in welchem es schwingt und zerlegt wird, noch etwas voraus, und das ist der Anstoß zu jenen Ätherschwingungen oder das Licht selbst. Würde der Abendhimmel sich mit seinem bunten Farbenspiel von neuem färben, wenn nicht wieder einmal die Sonne hinter dem westlichen Horizont hinabgetaucht wäre? So wird auch dies stets ein gesichertes Urteil bleiben, daß das Geschichtsbewußtsein Israels von der epochemachenden Leistung eines Mose einen Ausgangspunkt im realen Leben der Geschichte gehabt hat. 4 Aber führt die Geschichtschreibung Israels auch noch weiter zurück? Nun wenn es auch nicht auf einem ununterbrochenen glatten Wege sein dürfte, so doch gleichsam auf einer Reihe von Felsblöcken, die auch im verwehenden Sandgeröll der Tradition mit ihren Köpfen hervorragen und Marksteine der Bahn bilden, die das geschichtliche Leben der noch älteren Zeit Israels innegehalten hat. Von solchen Fclsblöcken aber zu sprechen, dazu meine ich die Berechtigung in folgender Untersuchung nachweisen zu können. a) Ein schon auf den allerersten Blick interessanter Charakterzug der geschichtlichen Erinnerung Israels liegt in der Unterscheidung einer vor mosaischen Periode. Also aller Glanz, in welchem die mosaische Epoche als die Jugendzeit des israelitischen Volkes (Hos. 11, 1) strahlte, hat doch nicht das Licht erbleichen lassen, das aus den v o r mosaischen Tagen in die Erinnerung Israels herüberfunkelte. Vielmehr trotz der überragenden Größe, die der glänzende Vermittler bei der Hauptwende der politischen und religiösen Existenz Israels in dessen Geschichtsbüchern besitzt, ist doch auch Abraham als Anfänger des nationalen Daseins und der religionsgeschichtlichen Mission dieses Volkes anerkannt worden. Und doch, wie natürlich wäre es gewesen, wenn der Ruhm Moses die Hebräer dazu verleitet hätte, alle Grundlagen ihres nationalen und kulturellen Daseins in Moses Tagen eingesenkt sein zu lassen! Wie leicht dies hätte geschehen können, ersieht man ja auch aus den späteren Darstellungen der bis zu Mose reichenden Zeit, wie eine solche Darstellung in „dem Buch der Jubiläen" vorliegt. Denn d a sind Differenzen, die in den älteren Geschichtswerken zwischen den Perioden Abrahams und Moses in vielen Stücken vorhanden sind, verwischt. Wie sehr zeichnen sich also die althebräischen Geschichtsbücher durch die Auseinanderhaltung der Entwicklungsphasen aus! Ja, wenn die geschichtliche Erinnerung Israels nicht sichere Anhaltspunkte besessen hätte, so würde man Mose natürlicherweise zum sogenannten Heros eponymos gemacht haben, wie solche bei den Griechen in Archaios usw. existierten. Man würde auf ihn alle Entwickiungsreihen zurückgeführt haben. Aber Israel hat einerseits auch über ihn hinaus noch Wurzeln seines geschichtlichen Daseins gekannt, wie es andererseits z. B. die Tempelmusik nicht bis auf ihn,