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Neue jüdische Monatshefte · 1916-11-25 · Heft 4 (25.11.1916) · p. Seite 97

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 4 (25.11.1916)
Article
Der Geschichtsquellenwert der althebräischen Literatur
Date
1916-11-25
Page
Seite 97 (sequence 4)
Language
German
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97 Kritiker Jul. Wellhausen und von Ed. Meyer3) selbst als ein direktes Echo des geschichtlichen Ereignisses, das in ihm besungen wird, anerkannt, und dieses Urteil kann leicht als ein vollberechtigtes erwiesen werden. Oder ist nicht eine lebendige Fülle überraschendster Einzelzüge in diesem Geschichtsgemälde zusammengedrängt? Da tritt ja vor unser erstauntes Auge z. B. der Stamm „Dan, der bei Schiffen als Fremdling weilt4' (vielleicht in phönizischein Schiffsdienst stehend), und dort im Hintergrund steht eine ganz gebeugte Gestillt, welche die Stadt Meroz symbolisiert, die sonst nirgends genannt und doch hier (V. 23) mit einem Fluche bedacht wird. Welche überaus wichtige Notiz! Denn es ist wahr, Schildeningen wie die packende Einzelbeschreibung der Tötung Siseras durch die Jael (V. 24—27) oder die dramatisch bewegte Ausmalung der Sehnsucht von Siseras Mutter nach ihres Sohnes Heimkehr (V. 28—30), könnten auch später entworfen sein. Aber A n - k 1 a gen, wie gegen die unpatriotische Saumseligkeit des Stammes Rüben (V. 15 f.), und Verlluchungen, wie die der vatcrlandsverräterischen Stadt Meroz, könnten nicht ohne Grund in das Geschichtsgemälde hineingezeichnet worden sein. Wie gut stimmt dieses Urteil über das hohe Alter dieses Siegesliedes auch femer mit den Ergebnissen der neueren vergleichenden Literatlirforschung zusammen! Denn zu deren interessantesten Erkenntnissen gehört diese, daß die Poesien den ältesten Bestandteil der Nationalliteraturen ausgemacht haben4). Auf gesicherter Bahn führen die geschichtlichen Berichte Israels und sonstige Übcrlieferungsmaterialien dieses Volkes ferner auch bis in die Zeit Moses zurück. Denn von dem Ruhme seiner Leistung hallt das ganze ältere Schriftum der Hebräer wider. In der Poesie (Exod. 15, 2 ff. usw.), in den Reden (Hos. 12, 14), in den anerkannt ältesten Gesetzesschichten (im „Bundesbuchu Exod. 20—24 usw.) und in den Geschichtserzählungen (Exod. 2, lff.) wird sein Name als der des großen Vermittlers einer entscheidenden Wendung im Schicksale seines Volkes gleichmäßig gefeiert, und wenn die Berichte über seine Periode auch unleugbare Differenzen zeigen5), so ist folgendes nicht außer acht zu lassen. Das Gemeinsame, das die unterscheidbaren Geschichtsquellen über einen Punkt des Geschichtsverlaufs enthalten, ist die Hauptsache. Man kennt darüber die berühmten, wenn auch nicht immer beachteten Worte Lessings in seiner Duplik: „Wenn Livius und Polybius und Tacitus ebendasselbe Ereignis usw. jeder mit so verschiedenen Umständen erzählen, daß die Umstände des einen die Umstände des anderen völlig Lügen strafen: hat man darum jemals das Ereignis selbst, in welchem sie übereinstimmen, geleugnet?" Aber man kann die Pflicht des Geschichtsforschers, die übereinstimmenden Bestandteile der Quellen- Strömungen ebenso eifrig wie die Differenzen zu suchen und als das :]) l'd. Meyer, Die Israeliten und ihre Nachbarstiimme (1Ü0(>), S. IB7. *) Carl Brockelmann, Die Geschichte der arabischen Literatur I, S. 15 und andere. 5) Z. B. über den Ort von Aarons Tod in Num. 33, 38 und Deut. 10, 6 f., neu festgestellt in meinem Kommentar zum Deut. (11)17) z. St.

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