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Neue jüdische Monatshefte · 1916-11-25 · Heft 4 (25.11.1916) · p. Seite 96

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 4 (25.11.1916)
Article
Der Geschichtsquellenwert der althebräischen Literatur
Date
1916-11-25
Page
Seite 96 (sequence 3)
Language
German
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96 großen Geschichtswerkes" vorliegen, das viel älter sei als die älteste von den Pentateuchschichten, wie sie jetzt angenommen zu werden pflegen. Ja, er fügt sogar folgendes hinzu: „Es ist etwas Erstaunliches, daß eine derartige Geschichtsliteratur damals in Israel möglich gewesen ist, Sie steht weit über allem, was wir sonst von altorientalischer Geschichtschreibung wissen, über den trockenen offiziellen Annalen der Babylonier, Assyrer, Ägypter, über den märchenhaften Geschichten der ägyptischen Literatur. Sie ist wirklich echte Geschichte, sie wurzelt in lebendigem Interesse an den wirklichen Ereignissen, die sie aufzufassen und festzuhalten sich bemüht. Sie hat ihr Analogon einzig und allein auf griechischem Boden: von Anfang an stellt sich mit ihr die israelitische Kultur, allein von allen anderen, in der Tat als gleichberechtigt neben die griechische" (a. a. 0. S. 486). Nun wenn ein so kompetenter, weil mit gründlicher Kenntnis der orientalischen Sprachen und einem seltenen Fernblick auf das Quellengebiet ausgerüsteter Forscher ein solches Urteil über die hebräische Geschichtschreibung ausgesprochen und begründet hat, so ist über diesen Punkt der Untersuchung kaum noch etwas hinzuzufügen und kaum noch zu bemerken, daß die von jenem anerkennenden Urteile zunächst betroffenen Partien der israelitischen Geschichtserzählung auch von anderen Kritikern und mir selbst in meiner „Einleitimg ins A. TV' als solche Teile der hebräischen Geschichtsliteratur anerkannt worden sind, die durch Lebendigkeit und Anschaulichkeit der Darstellung gleichmäßig ausgezeichnet sind. Also muß man sagen, daß es nach dem fast einstimmigen Urteile der gegenwärtigen Wissenschaft doch wenigstens eine Reihe von Partien des israelitischen Geschichtsberichts gibt, die den Charakter „w irklich echter Geschichte" und nicht der „Geschichtsphilosophie'* tragen. Die Frage ist folglich nur noch diese, ob an diesem Charakter nicht auch noch andere Abschnitte der hebräischen Geschichtsbücher teilnehmen, und ob diese nicht überhaupt das Lob der Zuverlässigkeit in höherem Grade verdienen, als man jetzt gewöhnlich zugeben zu können meint. Weil es sich aber bei der Beantwortung dieser Frage natürlicherweise und nach den oben beispielsweise angeführten Worten von Weinheimer um die Zeit handelt, die v o r den in Ed. Meyers angeführtem Urteil berührten Geschichten Gideons (Rieht. 8) liegt, so wird bei dem nun anzutretenden Untersuchungsgange zuzusehen sein, wie weit hin a u f wir von dieser Zeit an gehen können, ohne den Boden zuverlässiger Geschichtszougnisse gänzlich unter den Füßen zu verlieren. 8 Nun zunächst wird unser Schritt auf sicherer Bahn bis in den ersten Abschnitt jener Heldenperiode zurückgeführt, aus der bekanntlich der soeben genannte Gideon hervorragt. Denn die Dichtung, die gewöhnlich das Deboralied genannt wird (Rieht. 5, 2—31), wird auch z. B. von dem großen Arabisten Theod. Nöldeke2), von dem bekannten!) Theod. Nöldeke, Die semitischen Sprachen, 2. Aufl. (1899), S. 82.

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