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Neue jüdische Monatshefte · 1916-11-10 · Heft 3 (10.11.1916) · p. Seite 81

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 3 (10.11.1916)
Article
Streiflichter über jüdische Religion und Wissenschaft
Date
1916-11-10
Page
Seite 81 (sequence 3)
Language
German
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öl tum hängt nicht an dessen Vertretung durch eine wechselnde Menge, Partei oder eine Regierung selbst. Uns ist das Deutschtum ein geschichtlicher Begriff mit großen geistigen und sittlichen Tendenzen, in denen die Politik ihren letzten schöpferischen Grund hat. Und so bleiben wir als Deutsche unerschüttert, wie man immer, nach wie vor, als Juden uns verdächtigen mag. Aber wir sind doch Menschen, und die Kränkung geht uns ans Herz. Und das Herz ist uns von Trauer erfüllt, nicht nur vau der allgemeinen über das Leiden des Landes, sondern auch persönlich um den Verlust unserer Söhne, und dazu nun um die Kränkung unserer Söhne, die im Felde stehen und einer solchen Statistik preisgegeben werden. Was sollen wir bei einer solchen Kollision der Gefühle tun? Es gibt keinen anderen Ausweg hier als Gottvertrauen. Und die volle Kraft dieses Grundgefühls, in dem Ethik und Religion zu einer Einheit des menschlichen Bewußtseins verschmelzen, tritt hier in Wirkung. Wenn ich als Bekenner meiner Religion in meiner Sittlichkeit angegriffen werde, so wird meine Religion, so wird mein Gott angegriffen. Aber durch keinen menschlichen Angriff kann mir mein Gott in Frage gestellt werden. Ich habe das Vertrauen zu dem Gotte, der Recht und Gerechtigkeit auf Erden errichten wird, daß er seine Bekenner in der Ehre ihrer Religion schützen, daß er ihr geschichtliches Dasein rechtfertigen wird, weil dieses, wovon ich im Geiste und im Herzen die Überzeugung trage, zur Ehre des Einzigen Gottes geführt wird. So schützt uns. das Gottvertrauen vor Quietismus und Pessimismus und vor der Erschütterung des Gefühls für die Pflicht, wie vor der Vereitelung des Gefühls der Liebe zum Vaterlande. Die Juden haben es zu allen Zeiten gewußt, daß nur das .Judentum und so auch persönlich nur die Innigkeit des Gottvertrauens den Juden schützen und aufrechthalten kann. Es werden noch viele Zeitalter kommen und dahinschwinden, und der Plort des Einzigen Gottes wird nicht erschüttert werden. Das ist unser menschlicher Trost, das ist unsere religiöse Hoffnung und unsere sittliche Zuversicht. Und diese Zuversicht kann keine .Volksstimmung und keine staatliche Anordnung uns verkümmern. Wir sind und bleiben, was wir in den Jahrtausenden waren, welche Wandlung auch die Kultur an uns vollführen mag, und ■welchen Segen immer wir diesen Wandlungen der Kultur verdanken. Wir sind und bleiben Juden in dem Vertrauen auf den Einzigen Gott, den unsere Religion die Welt lehrt. Und unser Gott ist der Gott der Sittlichkeit. Wo wir daher in unserer religiösen Gesamtheit auf unsere Sittlichkeit hin angegriffen werden, da werden wir in unserer Religion angegriffen. Und unsere persönliche Ehre, die Ehre unserer Sittlichkeit, hängt an der Ehre unserer Religion. Gegen den Angriff auf die Sittlichkeit unserer religiösen Gesamtheit haben wir keine andere, keine bessere Abwehr als das Vertrauen auf unseren Gott, den heiligen Gott, der auf Grund seiner Heiligkeit uns zur Heiligkeit berufen luit. Der Schurke unter uns hat seinen Gott entweiht; wir verteidigen ilm nicht; er hat sich außerhalb seiner religiösen Pflicht gestellt. Aber der einzelne und auch die Mehrheit von einzelnen vertritt in keiner

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