Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 1 (10.10.1916)
- Article
- Wirtschaftliche Verwertung der brachliegenden ostjüdischen Arbeitskräfte
- Date
- 1916-10-10
- Page
- Seite 12 (sequence 5)
- Language
- German
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12 Angestellte werden wahrschefttfich in begrenzter Zahl nach Deutschland gewünscht werden. Für beide Feststellungen, für die Sammlung von Aufträgen für die nach solchen Gesichtspunkten eingerichtete neue polnisch-jüdische Haus- und Kleinindustrie, wie für etwaige Arbeitsvermittlung für herüberzunehmende kaufmännische Angestellte und für Arbeiter empfiehlt sich Schaffung einer deutschen Zentrale in Berlin, die für die Herstellung direkter Verbindungen sorgen wird* 2. Landwirtschaft (dauernde Verwendung) Die Juden im Osten landwirtschaftlich zu betätigen, ist von jedem Standpunkt aus erwünscht» Rechtsbeschränkungen, durch die sie früher vom Landbesitz ausgeschlossen wurden, brauchen nicht mehr beachtet zu werden. Dagegen ist es Erfahrungstatsache, daß nur ein gewisser, nicht allzu großer Prozentsatz der heutigen Judengeneration sich zur Landwirtschaft dauernd eignet. Ein Teil wird sich sofort bereit finden, ein anderer durch die Bedarfsarbeiten sich bald auslesen. Die Juden sind in möglichster Nähe der etwa 500 polnischen Städtchen, die ihnen genügend sozialen und religiösen Rückhalt geben werden, in Gruppen zu etwa 10 Familien anzusiedeln.' Sie eignen sich schon jetzt nach gemachten Erfahrungen ganz besonders zum Gartenbau, Obst- und Gemüsebau, Kleinviehhaltung, Geflügelzucht. Die Rechtsverhältnisse des Bodenerwerbs sind so zu regeln, daß sie mit Sicherheit darauf rechnen können, bei jedem Ausgang des Krieges im Besitz zu bleiben (Freihändiger Kauf von Besitzern; Garantie nichtjüdischer maßgebender Persönlichkeit). Insbesondere empfiehlt es sich, dio Waisenhäuser mit ihren leider so zahlreich gewordenen Insassen aus den Großstädten in die Landstädte zu verlegen und Garten- und Landarbeit mit ihnen zu pflegen. B. Bes6ndere Arbeitsorganisation für augenblicklichen Bedarf Mit alledem wird an mehreren Stellen des Landes zugleich begonnen werden. Doch wird sich das Erfolgreiche erst nach und nach durchführen lassen. Große Massen von Arbeitskraft werden trotzdem übrig bleiben. Die besondere Lage im besetzten Gebiete macht Arbeiten notwendig, die nur unter behördlicher Einwirkung geleistet werden können. Es geschieht dies gewöhnlich in Kolonnen. Hierbei ist nach den gemachten Erfahrungen dringend zu fordern, daß diese nicht wie bisher gelegentlich aus Polen und Juden gemischt zusammengestellt werden. Es sind rein jüdische Kolonnen einzuführen mit Meistersystem, Akkordbezahlung (mit kleinen Mindestlöhnen, starker Steigerung), besonderer ritueller Verpflegung für sich. Sie sind zu verwenden a) bei Erdarbeiten (Straßen, Kanälen usw.). Die Teilnehmer sind sämtlich auf längere Zeit zu verpflichten, mindestens 4—6 Wochen, und nach geschehener Verpflichtung energisch bei der Arbeit zu erhalten. Hierbei wird eine Selbstauslese der für die Landwirtschaft körperlich und seelisch tauglichen Arbeitskräfte stattfinden. Diese besonders zu verwenden