Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Monatshefte · 1916-10-10 · Heft 1 (10.10.1916) · p. Seite 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 1 (10.10.1916)
Article
Wirtschaftliche Verwertung der brachliegenden ostjüdischen Arbeitskräfte
Date
1916-10-10
Page
Seite 13 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2908689-2908690-2908692-2908847--0027-2908889
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

13 b) bei der Bestellung der verlassenen Felden Weitere in diesem Sinne durch die besonderen Kriegsverhältnisse gegebene Verwendungsmöglichkeiten sind den Behörden bezeichnet worden. Auf diese Weise kann für die arbeitsfähigen und arbeitswilligen Juden der besetzten Gebiete bald eine Erwerbsmöglichkeit geschaffen werden. Sobald diese sicher vorhanden ist, kann die heutige reine Almosen Wirtschaft in eine solche umgewandelt werden, die das Gewähren von Unterstützung an den Nachweis der Arbeitswilligkeit knüpft. Den Ostjuden mögen so neue wirtschaftliche Existenzgrundlagen und neuer sittlicher Rückhalt gegeben werden durch Arbeit. Jüdische Erziehung Von Heinrich Loawe, Berlin Die jüdische Nation hat zu allen Zeiten auf die Frage der Erziehung Ihres Nachwuchses den allergrößten Wert gelegt. Als dem Volke sein ältestes besetz gegeben wurde, legte ihm der Gesetzgeber dabei dringendans Herz: ^Und du sollst es einschärfen deinem Sohne". Seit dieser Zeit gibt es eine unmittelbare Überlieferung von Vater auf Sohn, und auf ihr beruht zum großen Teile der fortdauernde Bestand des Volkes und seiner Lehre." Das jüdische Volk ward so sehr ein Volk des Unterrichts, daß "es bereits zu einer Zeit die allgemeineVolksschule hatte, wo die heutigen führenden europäischen Völker überhaupt noch nicht unter dem Begriff von Kulturvölkern zu'verstehen waren. Und das ist so beim jüdischen Volke bis auf den heutigen Tag geblieben. Durch die Anlehnung des Judentums an die umgebenden Völker, die in West- und Mitteleuropa in den beiden letztverflossenen Jahrhundertenvor sich gegangen ist, hat sich nun in diesen Ländergebieten der Jugendunterricht des jüdischen Nachwuchses von Grund aus geändert. Während bei den im Osten verbliebenen Stammesgenossen nach wie vor das* Judentum im Mittelpunkte aller jüdischen Erziehung und Schulbildung steht, ist das Judentum in der Erziehung der jüdischen Jugend des Westens, und auch in Deutschland nur •ein Beiwerk neben dem allgemeinen Unterrichte,, der für eine Ausbildung in jüdischen Fächern gar keine Zeit übrig läßt. Die Tendenz der Juden in Deutschland war im 18. und 19. Jahrhundert dahin gerichtet, möglichst vom Judentume loszukommen. Die Höhe der allgemeinen Kultur glaubten sie dadurch am ehesten erklimmen zu können, daß sie sich von dem entfernten, was die Sitte und der Brauch ihrer Väter gewesen war. „Nur nicht jüdisch", war ihre teils zugestandene, teils ihnen selbst .unbewußte Richtschnur. Sie beraaßen die Bildung als umgekehrt proportional zur Kenntnis vom alten Judentume. Von dem seit uralter Zeit im jüdischen Stamme vorhanden gewesenen Drange und Zwange, zu lernen,'blieb nur der Wissensdurst, der auf jede Weise befriedigt wurde, aber nunmehr stets verbunden mit der sehr oft bewußten Abkehr vom Judentume. Erst die letzten zwanzig Jahre haben hier bei einem Teile der deutschen Juden eine Besserung gebracht. Im Gegensatze zu der früheren Entfernung vom Judentume trat der junge Zionismus mit derkategorischen Forderung der Rückkehr zum Judentume auf. Seitdem hatdie-jüdische Bewegung,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.