Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 1 (10.10.1916)
- Article
- Wirtschaftliche Verwertung der brachliegenden ostjüdischen Arbeitskräfte
- Date
- 1916-10-10
- Page
- Seite 11 (sequence 4)
- Language
- German
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11 Anspruch auf Unterstützung irgendwelcher Art wird nur durch Arbeit , erworben. Dies wäre nur unter starker Mitwirkung der Behörden möglich, zumal für solche Arbeiten, wie sie durch die Tatsache der kriegerischen Besetzung geboten sind. .. Hierüber mögen zum Schlüsse nur einige Andeutungen gegeben werden. Unter allen Umständen läßt sich aber organisieren: A. Allgemeine wirtschaftliche Arbeit 1. Gewerbe und Industrie Jin weitaus wichtigsten Gewerbe Polens, der Textilindustrie, ist auf Rohstoff nicht zu hoffen. Dagegen besitzt das okkupierte Gebiet ein anderes Rohmaterial in großen Massen, das Deutschland wirtschaftlicher Weise im eigenen Lande möglichst schonen muß: Holz. In fast unerschöpflichen Massen steht dieses im Osten zur Verfügung. Folglich sind die wirtschaftlichen Kräfte der Juden hierauf zu lenken: Organisation der Holzgewinnung und vor allem der Holzverarbeit u n g. Bei der Holzgewinnung wurden dahingehende Anregungen schon vermittelt. Ein starker, ungedeckter Bedarf besteht aber in Deutschland nach .vielen Holz waren: Löffel und Quirle, Leitern und Blumenkästen, große Massen Harken-, Spaten- und Besenstiele, Spielwaren und Schnitzereien, Pfeifen und Zigarrenspitzen und zahlreiche andere Waren, zumal auch solche, bei denen das Holz zum Ersatz für Leder geworden ist (Koffer, Schuheinlagen), können ohne erhebliche Kapitalanlagen im Osten hergestellt werden und werden in Deutschland einem Warenmangel abhelfen. .Ie mehr Arbeitswert in solchen Waren im Verhältnis zu ihrem Materialwert enthalten ist, um so besser. Die ersten Stadien der C e 11 u - lose-Industrie könnten bald ins Leben gerufen werden. Soweit größere Maschinenanlagen dazu erforderlich und von Deutschland nicht zu stellen, wären sie aus Amerika zu erbitten. Auf diese sehr zukunftsreichen Industrien wäre auch die Energie der Produktivgenossenschaften zu lenken, die sich neuerdings unter den Ostjuden gebildet haben, ohne noch ein rechtes Ziel zu sehen. In Holzwaren wäre starker Export möglich. Außerdem Verarbeitung solcher Rohstoffe, die im Lande selber gewonnen werden: Flachs, Häute, auch Glas. All das in kleinen Abteilungen; die Werkstätten sind möglichst dementsprechend umzubauen, neue von vornherein so anzulegen; Ansätze dazu sind bereits in Lodz gemächt worden. Soweit deutsche Arbeiter nicht geschädigt werden, ist Zufuhr von Rohmaterial nach Osten zu organisieren; so von Tabak, der dort außerordentlich billige Arbeitskräfte treffen und so für seine gesteigerten Materialkosten einen Ausgleich finden würde, zumal für Heeresverbrauch. Für Einführung weiterer hausindustrieller Erwerbszweige bleibt zu erkunden, für welche Warengattungen in Deutschland ungedeckter Bedarf vorhanden ist; für welche vielleicht gar Export möglich ist (Polens Hilfe im Kampf um unsere Valuta). Verbindung mit deutschen Handelskreisen, zumal dem großen Detailhandel,. hat weitere Anregungen vermittelt. Der Handel in Polen wird sich selbst regulieren; wer unterstützungsbedürftig ist, sollte auf die Dauer keinesfalls im Handel belassen werden.