Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 1 (10.10.1916)
- Article
- Wirtschaftliche Verwertung der brachliegenden ostjüdischen Arbeitskräfte
- Date
- 1916-10-10
- Page
- Seite 10 (sequence 3)
- Language
- German
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10 Hilfsaktionen sind unternommen worden. Sie können nicht ausreichen, auch nicht, wenn — was neuerdings sehr unwahrscheinlich geworden ist — Amerika einen Teil der Ernährung mit tibernehmen würde. Denn erstens, gerade im letzteren Falle würden Reibungen mit der polnischen Bevölkerung in noch größerem Maße als bisher unvermeidlich sein (Verteilungsstreitigkeiten zwischen den Christen und Juden pflegen im Osten stets zu Ungunsten der Juden zu enden). Zweitens, es wird damit der Verfall der bisherigen jüdischen wirtschaftlichen Tätigkeit nur noch steigen, ohne daß ein Ersatz geschaffen würde. Die Menschen, die zu anderer produktiver Arbeit und damit wieder zum Selbstunterhalt angeleitet werden können, würden als dauernde Almosenempfänger wirtschaftlich und seelisch verkümmern, die Höherstehenden ihre Vermögensreste aufzehren und dabei würden drittens die Hilfsquellen des Landes weiter ungenützt bleiben, die durch Arbeit dieser Massen zu ihrem eigenen Wohl und zum Nutzen des Deutschen Reiches nutzbar gemacht werden können. Für alle Beteiligten ist es also eine Notwendigkeit, die Ostjuden zur Arbeit neu zu organisieren. EI. Zielpunkte der Arbeitsorganisation Als Grundsätze der vorzunehmenden Organisation der Arbeit sollen gelten: 1. Die brachliegenden Arbeitskräfte sind so zu verwenden, daß sie dem wirtschaftlichen und militärischen Interesse des Deutschen Reiches mit dienen. Dies möglichst in solcher Weise, daß 2. die Zukunftsinteressen dieser Massen mit berücksichtigt werden. Deshalb 3. Verwendung, soweit irgend möglich im Osten selber. 4. Anpassung der Arbeitsorganisation an die besondere seelische Eigenart und die religiösen Eigentümlichkeiten; in diesem Rahmen aber 5. energisches Anhalten zur eigentlichen Arbeit, Die religiösen Besonderheiten führen zur absoluten Trennung der Arbeitsstätten der Juden von denjenigen der Nichtjuden; dazu drängt auch die Spannung, die zwischen Slawen und Juden nun einmal besteht. Die seelische Eigenart des Juden als Arbeiter verlangt die Möglichkeit, auf irgendeine Weise sich durch eigene Leistungen einen Mehrverdienst zu verschaffen und in der Ausführung von den Mitarbeitenden nicht allzu abhängig zu sein. Darauf beruht die Hausindustrie mit Zwischenmeistersystem, das die Ostjuden überall hin mitnehmen, nach Amerika, England, Belgien, Deshalb ist überall Zusammenschluß in kleine^ Gruppen zu empfehlen mit einem verantwortlichen ostjüdischen ,,Zwischenmeister"; unbedingt und überall Entlohnung im Akkord, wo nicht mit einzelnen möglich, da Gruppenakkord. III. Wege der Arbeit Eine grundsätzliche allgemeine Gesundung des jüdischen Wirtschaftslebens im besetzten Gebiete würde am sichersten dann erzielt werden, wenn eine Arbeitspflicht ausgesprochen würde. Es müßte der Grundsatz gelten: