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Der Morgen · 1938-10-01 · Heft 7 (Oktober 1938) · p. 295

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Journal
Der Morgen
Volume
14 (1938)
Issue
Heft 7 (Oktober 1938)
Article
Zu Martin Bubers Lehre von der Verantwortung
Date
1938-10-01
Page
295 (sequence 4)
Language
German
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Zu Martin Bubers Lehre von der Verantwortung Selbstentfaltung der Individuen und ihrem Leben in der Gruppe weithin kein Widerstreit besteht. Der Einzelne ist heute innerlich derart mit dem Gemeinschaftswert ausgefüllt, daß die Befragung der inneren Stimme in Konfliktfällen ihn nur noch tiefer in die Gemeinschaft hineinführt. Daraus erklärt sich die charakteristische Beobachtung, daß gerade eigenwillige und selbstbewußte Menschen sich leidenschaftlich ihrer Gruppe hingeben. Diese Hingabe ist eben kein Auslöschen des Ichs, sondern dessen höchstgesteigerte Entfaltung. Alle Bemühungen, den Einzelnen gegenüber der fortschreitenden Kollektivierung zu retten, müssen diesen entscheidenden Sachverhalt berücksichtigen. Um eine Gewissensentscheidung als eine in Betracht kommende Instanz zu begründen, ist es daher, wie ich glaube, zunächst einmal notwendig, den Menschen als Einzelnen wiederherzustellen, d. h. einen Inhalt zu schaffen, der ihn in eine höhere, gerade ihm als Einzelwesen zugemessene Verantwortung hineinführt und den Kollektivgebilden Widerpart zu bieten vermag. Nur dann ist eine echte Begegnung zwischen dem Einzelnen und der Gruppe und die Bewährung einer höheren Verantwortung möglich. * Es ergibt sich nun die Frage: Wie gestaltet sich das wirkliche Leben des Menschen, der als Einzelner lebt? Welche Lebensbedingungen sind diesem Menschen zugeordnet? Wie kann der Mensch sich als Einzelnen verwirklichen? Aus diesem Fragenkreis ist die für meine Betrachtung wichtigste Teilfrage die, ob die höhere Verantwortung des Einzelnen im Gruppengeschehen verwirklicht werden kann. Um diese Frage in ihrer ganzen Echtheit und Schwere zu treffen, denke ich vornehmlich an jene Gruppen, die ein solches kollektives Eigengewicht besitzen, daß ihm gegenüber die Stellung des Menschen als Einzelnen zum Problem werden kann, also in erster Linie an den Staat und an Gemeinschaften, die elementare geschichtliche Bewegungen verkörpern. Wie sieht das Handeln in solcher Gruppe aus? Wirkliches, blutvolles Handeln in der Gruppe beruht darauf, daß der Mensch Das Septemberheft enthielt u. Liebe zum Schicksal / HERTA KANNER, Die Wasser Babels / Von Sünde und Sühne / ERNST SIMON, Israel und die Völker / MALA LAASER, Die Laute / BERTHA BADT- STRAUSS, Der Am Haarez / HANS BACH, Einblicke und Ausblicke / GUSTAV COHN. Neue Funde in Palästina. Im Novemberlieft schreiben u. a. WALTER GROSS. Abraham Geiger / W. KRUSZYNSKI, Jüdisches Theater / SCrL BEN CHORIN, Malkosch (Novelle). 295

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