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Der Morgen · 1938-10-01 · Heft 7 (Oktober 1938) · p. 284

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
14 (1938)
Issue
Heft 7 (Oktober 1938)
Article
Um eine Prise Tabak
Date
1938-10-01
Page
284 (sequence 5)
Language
German
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J. L. Perez selbstverständlich", sagt er. Gehorsamkeit wie aus der Pistole geschossen! Wie der Rebbe sie noch nie erlebt hat... Man legt den Sterbenden in des Rebben Bett, und da liegt er nun wie tot. Der Rebbe sitzt am Tisch, sieht in ein BucH und wirft alle paar Zeilen einen Blick zu dem Kranken hinüber. Auf der Gasse draußen treiben sich die Leute herum. Kann man wissen? Man muß sich doch bereit halten. Die Nacht bricht herein. Der Rebbe will das Abendgebet sagen, da hört er den Kranken nach ihm rufen. Voll tiefen Mitleids tritt er zu ihm hin, beugt sich über seinen Mund und lauscht: das Vermächtnis eines Sterbenden? „Rebbe", flüstert der Kranke, „ich bin ein großer Sünder, und ich will so nicht sterben, will meine Sünden vor Euch bekennen..." Der Rebbe will Leute dazu rufen, doch der Kranke hascht nach seiner Hand: J}Um Gottes willen, um Gottes willen, unter vier Augen." Und nun erzählt er, er sei all seine Tage ein Bettler gewesen, ein falscher Bettler: um Brot gegangen für Weib und Kind und hatte doch weder Weib noch Kind; um Mitgift gebettelt für erwachsene Töchter und war doch immer allein wie ein Stein im Feld; hat gesammelt für Jeschiwot, und nicht ein einziger Talmudgelehrter hat Freude oder Nutzen davon gehabt; für Erez Israel — und keinen Heller davon abgeschickt; für Rabbi Schimeon bar Jochais Grab — und es in die eigene Tasche gesteckt; mit Erez-Israel-Erde gehandelt, und sie hinter dem Zaun genommen, und so weiter und so weiter. Und indem er einen kleinen Beutel unter seinen Kleidern hervorgrabscht, sagt er: „Und dies hab' ich zusammengebracht!" Öffnet auch gleich den Beutel: Richtige Banknoten — eine und noch eine... hunderte... „Das", sagt er, „übergebe ich Euch, Rebbe, für Wohltätigkeit — nach Eurem eigenen Gutdünken zu verwenden!" Tut da nicht unser Chelmer Rebbe einen Satz zum Fenster, reißt es auf und schreit aus vollem Halse: „Juden, Leute, kommt herein, Zedaka-Geld zählen!" — als sei er mit einem Schlag fünfzig Jahre jünger geworden? Man stürzt herein. Keine Banknoten — kein Sterbender — nichts als ein zerwühltes Bett und zwei eingeschlagene Fensterscheiben ... Wieder sinnen sie: Ein Traum oder — der Allmächtige möge uns bewahren — Hexerei? Der Böse aber steht da mit offenem Mund. Das ist schon etwas Außergewöhnliches ... * Die schwarze Welt ist in völliger Verwirrung. Da sagt Lilit: „In meine Hände wird er gegeben werden — alte Mittel..." 294

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