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Der Morgen · 1938-10-01 · Heft 7 (Oktober 1938) · p. 282

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
14 (1938)
Issue
Heft 7 (Oktober 1938)
Article
Um eine Prise Tabak
Date
1938-10-01
Page
282 (sequence 3)
Language
German
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J. L. Perez Der Wagen muß am Schlachthaus vorbei. Da springen die Hunde heraus und den Pferden an die Schnauzen, da stürzen die Metzger und die Metzgerburschen herzu und fallen den Pferden in die Zügel. Mit einem Satz bleiben die Pferde stehen, die Haut auf ihnen bebt vor Angst, und schon sind die Metzger und die Metzgerburschen auf dem Wagen. Was ist los? Stellt sich heraus: ein kleiner Streit... "Der wie ein Herr Gekleidete mit der ledernen Geldtasche aut der Hüfte schreit, der Fuhrknecht sei verrückt geworden, wolle unbedingt Rast machen, und er sei in Eile, mit Brillanten zur Messe zu kommen. Kriegen die Leute ein bißchen Achtung! Der Fuhrknecht aber erklärt: Nicht er sei der Fuhrknecht, sondern in Wirklichkeit der andere. Auf dem Wege habe er ihn, der aus der Ferne komme und in die Ferne ziehe, nachts im Walde überfallen, ihm das Messer an die Kehle gesetzt, ihn gezwungen, die Kleider mit ihm zu tauschen, und jetzt wolle er ihm die Brillanten, das Geld, den Wagen samt den Pferden, kurz, alles wolle er ihm nehmen. Deshalb habe er, als er sah, daß sie in eine jüdische Gemeinde kamen, solches Geschrei erhoben. Der andere leugnet Stein und Bein — alles glatt erfunden I Also dreht man Pferde und Wagen um, kann sich kaum der Hunde erwehren und fährt beim Rebben vor. Da hebt ein Forschen und Prüfen an. Der Rebbe fragt jeden besonders aus. Zuerst läßt man den Kläger herein, den, der wie ein Fuhrknecht gekleidet ist. Der Rebbe verhört ihn und sagt: „Nach dem Augenschein, nach allem menschlichen Ermessen das Gröbste vom Groben; eine Sprache wie bei einem echten Fuhrknecht, schon die Stimme ist nicht aus dem Cheder, — eine Stimme aus Wald und Feld und zu Pferde." Trotzdem forscht er weiter: „Wieviel Ware habt Ihr im Wagen?" — „Weiß ich? Führe ich etwa Rechnung? Ein Am Haarez bin ich, Rebbe! Gott hat geholfen, so handle ich also mit Brillanten!" — „Und wieviel Geld habt Ihr im Beutel gehabt?" — „Ich zähl nicht; ich will, es soll Segen hereinkommen..." Na ja: sicher eine ausgedachte Geschichte! Der Rebbe räuspert sich und läßt den andern hereinschicken. Der sieht aus wie ein Sohn der Tora. Der Rebbe macht einen tastenden Versuch mit seinem Talmudwissen, und jener überschüttet ihn mit einem wirren Schwall von Talmud samt Kommentatoren. Doch mittendrin unterbricht er sich: „Rebbe — was soll das lange Forschen? Seht:" — und läßt aus seinem Gürtel einen Goldregen auf den Tisch niederprasseln, echte Dukaten, rote Flammen kullern über den Tisch... „Und die Hälfte von den Brillanten bekommt Ihr auch, nur sagt, sie sind mein!" Springt der Rebbe auf und brüllt: „Teufel!" 252

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