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Der Morgen · 1938-09-01 · Heft 6 (September 1938) · p. 248

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Journal
Der Morgen
Volume
14 (1938)
Issue
Heft 6 (September 1938)
Article
Der Am Haarez
Date
1938-09-01
Page
248 (sequence 3)
Language
German
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Bertha Badt-Strauss und die kleine Schar seiner Getreuen mit ihm, auch sie wohl ein Teil des Land-Volkes; nicht einmal der Priesterstamm der Leviten hatte sich ihm angeschlossen. Sie fanden in der alten Heimat ganz andere Bewohner vor. "Der Perser Sargon (Assarhaddon) hatte in dem verödeten Lande fremde Volksstämme angesiedelt, um es nicht völlig zur Wüste werden zu lassen; mit verwundertet Gesichtern schauten sie wohl auf die Rückkehrenden, freundlich zuerst; bald fingen sie an, sich mit ihnen zu verschwägern und boten ihnen ihre Hilfe und Mitarbeit am neuen Tempelbau an. Nun aber vollzieht sich die folgenreiche Wendung in der Laufbahn Esras und Nehemias: diese beiden Männer entscheiden sich, um den alten Glauben und das alte Blut rein von fremder Vermischung zu erhalten, gegen das herandrängende „Landvolk" — eine Wendung, die ihnen den unauslöschlichen Haß der Zurückgewiesenen, der „Samaritaner", eingetragen hat. Die „Kutim" oder Samaritaner werden zur Zeit des Talmuds, wohl nach manch böser Erfahrung, fast den Verleumdern gleichgeachtet, und vielleicht erklärt sich daraus der fast wilde Haß, der nun bei manchen der sonst so sanftmütigen Lehrer offenbar wird, wenn sie von dem Am Haarez sprechen. Nur dem Verräter, nicht dem Ungelehrten kann ein Wort wie jener berühmte Ausspruch des R. Elieser (Pes. 49 b) gelten, daß man einen Am Haarez selbst „am Versöhnungstage, der auf einen Schabbat fiele", erschlagen dürfe; was allerdings von seinen gelehrten Genossen bald metaphorisch gedeutet wurde. Auch die sprachliche Bezeichnung des alten Begriffs wandelt sich in dieser Zeit. Statt „Atn Haarez" wie in den früheren Büchern der Bibel heißt es jetzt häufig „Amme Haarez" oder Amme Haarazot". Dadurch scheint sich die Vielfalt des Ursprungs dieser Landbevölkerung und damit der Hauptgrund des Zwiespalts anzuzeigen. Dieser Zwiespalt selbst aber ergibt sich nun nicht mehr aus der Kluft zwischen Arm und Reich, zwischen Vornehm und Gering wie in den Zeiten der Richter. Bezeichnend für die innere Entwicklung des Volkes und seiner Lehrer, die an Stelle der verlorenen Heimat die ^geistige Heimat im Schrifttum errichten und streng hüten zu müssen glauben, steht der Am Haarez jetzt in schärfstem Gegensatz vor allem zu dem Schriftgelehrten,, dem Talmud-Chacham oder Chawer, wie er damals hieß. „Ein Am Haarez kann nicht fromm sein": dies vielumstrittene Talmudwort geht zunächst nicht von gelehrter Überheblichkeit aus, sondern meint, der Ungelehrte, dem niemals Kunde von allen den Vorschriften und Gesetzen ward, die das Leben des Juden wie ein „Zaun" umgeben sollten, könne schon wegen dieses Mangels an Wissen die Gesetze nicht beachten. Zwei Gebiete vor allem schieden damals das Landvolk und den Mann des Gesetzes voneinander: die Reinheitsgesetze und dieGe- 243

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