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Der Morgen · 1938-09-01 · Heft 6 (September 1938) · p. 247

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
14 (1938)
Issue
Heft 6 (September 1938)
Article
Der Am Haarez
Date
1938-09-01
Page
247 (sequence 2)
Language
German
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Der Am Haare: Dann aber kommt die Zeit, da aus dem umherschweifenden Hirtenvolke der Juden ein Bauernvolk wurde, das selbst sich den Boden erkämpft hatte, der den Vätern einst verheißen worden war. In den Unruhen und Verwirrungen der Richterzeit und der Königskämpfe wird der Typus des eigentlichen biblischen Am Haarez immer deutlicher: der altpalästinensische Bauer oder Hirt, der, ohne viel Buchwissen, treu am altererbten Glauben festhält und bereit ist, den von dem Manne des Volks, dem Richter Samuel, erwählten König Saul nicht nur mit der Kraft seiner Stimme zu unterstützen, sondern auch mit der Kraft seines Armes die hochmütigen neumodischen Hofsitten der fremdstämmigen Königinnen wie Atalja und Isebel zurückzuweisen. Neunundvierzig mal erscheint dieser Ausdruck in den Büchern der Heiligen Schrift; meist bedeutet er, wenn auch vielleicht nicht, wie Sulzberger einmal zu beweisen suchte, eine Art Volksvertretung, so doch jedenfalls einen Stand für sich, das Volk gegenüber Priestern und Leviten einerseits, König und Hofstaat, Aristokratie und Plutokratie andererseits. An diesen unverfälschten Kern des Volkes wendet sich schon der Gesetzgeber des Leviticus, wenn es gilt, die schwersten Frevler zu bestrafen (Lev. 20, 2). Und als die Königin Atalja und ihre Gefolgsleute dem Baal einen Tempel errichtet haben, da erhebt sich der Am Haarez unter Führung des Hohenpriesters Jojada und seiner Krieger gegen sie, zerstört den Tempel und setzt den letzten geretteten Sproß des alten Königshauses, den kleinen Prinzen Joas, wieder in sein Amt ein (II Kön. 11; II Chron. 23). Königin Atalja zerreißt ihr Gewand und schreit „Verrat, Verrat!", das „Landvolk" aber jubelt und schlägt die Pauken, als die alte Ordnung der Dinge und der alte Gottesdienst wieder hergestellt sind. Die Rolle des Landvolks in der Empörung gegen Atalja zeigt deutlicher als viele andere Stellen den eigentlichen Charakter dieser Volksschicht in den Zeiten der Könige. Es ist der ärmste, aber der treueste und konservativste Teil des Volkes. Wir sehen den Bauern im alten Palästina etwa wie ihn der Psalmist vor sich sah: den Mann, der von seiner Hände Arbeit lebte, dessen zahlreiche Kinderschar wie Ölbaumsprossen den Tisch umgab. Vielleicht war es eben jene Schicht, aus der die Propheten: kamen, etwa Arnos der Hirte von Tekoa und Jirmejahu der Priestersohn aus Anatot: alle, die für den Gott des Volkes, den Gott der sozialen Gerechtigkeit, gegen die Vornehmen und die Höflinge mit ihrer Sittenverderbnis und ihren fremden Kulten kämpfend auftraten. * Eine grundlegend geänderte Bedeutung des alten Begriffs entwickelt sich dann unter Esra und Nehemia, zur Zeit des Aufbauwerkes am Zweiten Tempel. Esra kam aus Babylon zurück 247

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