Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- Heft 6 (September 1938)
- Article
- Die Laute
- Date
- 1938-09-01
- Page
- 242 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Mala Laaser gegen die Dünenwand; bellend, brausend und von Gischt — dem Schweiß der Meere — schäumend wirft die brandende Unendlichkeit sich dünenwärts, schlägt die Zähne heulend in die Schründe, reißt und fetzt die Hänge auf und feuchtet, eh' das Meertier zalim zusammensinkt, die steile Dünenwand mit ihrem Geifer... Still! Wie leicht man noch in Schwärmerei gerät. Ich wollte nicht vom Kampf des Meeres mit der Küste reden, sondern von der Trauer, die wir ehedem schon fühlten angesichts der See, des Strandes und der Küste: wie liebend wir uns auch der Landschaft fügten und wie still wir allerorts um Freundschaft warben auf der sommerlichen Fahrt, — Fischervolk und Flachlandbauern nannten uns stets die Fremdenleut. Zwar haben wir tags für sie geschafft, Fisch geputzt und Stall gemistet, haben an ihren Tischen gegessen und zur späten Dämmerung, auf ihren Hüttenbänkchen sitzend, kleine Abendlautenlieder übers Meer geldimpert und gesungen, bevor wir uns in ihren Scheuern streckten. Aber immer waren wir die Fremdenleuf, und unsere Laute mit den bunten Bändern brachte ihnen ungewöhnten Wohlklang. Wenn wir im Heu zur Ruhe gingen, hörten wir sie draußen zaghaft selber singen, mit rauhen Stimmen, kehlig, fromm und schöne- Ios, so wie unsereins es niemals kann; manchmal seufzte Zitherton durch den Gesang, blechern-schriller Saitenschlag, der choralhaft weiterblühte und verschwoll. — Die am Meere leben, sahen stets wie in verborgnem Spott auf uns, wenn wir träumerisch zur Laute summten; wie oft wir atemlos in der Scheuer hockten und jenen lauschten! Wir haben die Laute im Heu vergraben; denn der Mond, der durch die Scheunenluken schien, zeigte uns ihr blankes Außen zu genau, ihre liebliche Künstlichkeit, ihre spiegelglatte, reichverzierte Fremdheit mit den zarten überspannten Saiten. Immer, wenn die Bauern singen mußten zum schweifenden Verhall der Zither, spie der Abend Nebel aus, und um Mitternacht erhob sich ein Nordwest. Welch geheimnisvolles Tiefverwobensein der Menschenherzen mit dem Gang der Wetter! Wir beteten beim ersten Blitz; dann priesen wir des zweiten wilde Schönheit; sie schlurften schweren Schritts durch Haus und Ställe und schlössen alle Türen vor dem Graus... Morgens weckten uns nach Ungewitternächten die harten Regentrommeln — Wasserklöppel sprangen übers Scheunendach. Der Lautenhals, mit Halmen behängt, ragte wie ein Wegpfahl aus dem Heu; die tiefste Saite, die metallene, hatte in der Sturmnacht Rost angesetzt. Rost? Oder blutige Tränen, die vom Angesicht des Unwetters fielen...? * Es wird niemals mehr sein, mein Junge, daß ich vor der Universität auf dich warte, wie ich es damals tat, als du noch alltäglich über den Vorgarten ranntest, mit fliegenden Haaren, das 242