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Der Morgen · 1938-09-01 · Heft 6 (September 1938) · p. 241

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
14 (1938)
Issue
Heft 6 (September 1938)
Article
Die Laute
Date
1938-09-01
Page
241 (sequence 4)
Language
German
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Die Laute klüglich für die langen Winter, während denen auf dem Haff die Fänge ruhen. Der ganze Strand scheint mit Fischgeruch verhangen. Dazwischen sickern ätzende Rauchfahnen aus den Räucherkesselchen. Krumme Fischer hocken nebenher, sorgen für die- Glut und wenden mit erfahrenen Händen die sich bräunenden Flundern über dem Tiegel im Rauch. Das Haff schlägt wiegend ans flache Ufer ... Im breiten leichtbewegten Wasserangesicht finden die Bläue des Himmels und der lichte Sommersonnenstrom sich wieder. Stint und Barsch, vom Hecht gehetzt, springen tropfensprühend in den Tag, eh' der gezahnte Rachen sie schnappt: blinkende Grüße scheinen uns zweien diese Todessprünge der schuppigen Brüder ... Fröhlichkeit des Anscheins und das fürchterliche Schicksal in der Tiefe dort! Gemach! Wir kamen mit dem Dampfer übers Haff und wandern nun, wir beide — du und ich .— singend und bestaubt ins Dorfquartier. Du, Freund und Bursche, liebster, schleppst die Last, den Rucksack für uns beide auf dem Rücken; und ich hab' den Lautengurt im Nacken und trag' die Braune wie ein liebes Kind im Arm. Knatternd tanzen die Bänder im Wind — wer weiß, aus welcher Richtung er kommen mag? — Von Osten kommt der Wind, von Osten; und auch wir sind von daher gekommen: wanderndes Volk, den Möwen verschwistert. In frühen Tagen waren"Wurzelndes und Strebiges vereint auf Erden; noch herrschte nicht die Scheidung zwischen Wanderung und Bleibe. Heut reichen unsre Schwingen über die Jahrtausende, und unsre Schreie sind wie Vogelschreie überm Wasser. Ach, wir äugen flackernd zum gestreckten Leib der Heimat hin ... Sind wir Möwen!? Oder fahrendes Volk mit Klampfe und Lied? Du und ich, ein wanderwildes Menschenpaar, winken vom Dorfweg zu Haff und Niederung. Frösche quarren, kehlbreit und versunken, und der Wind spielt zart auf unserer Laute — da horchen wir und wandern still ... In den hohen Dünen drüben sickert leicht der Sand über Möwennester und Möwenbrut ... * Entsinnst du dich noch an den Sommer in der Bucht zwischen dem gespannten Horizont und den steilen, kiefernüberwehten Dünen? Deutlich seh ich die schrundigen Hänge, abgerißnes Küstenland, mit zerdörrtem Meergeschling behangen und mit Gittern aus Spinnweb und Licht. Ins Geschieht sind Steine eingemauert, Findlinge, Geröll von Eiszeitgletschern; bröckelnd blättert's von der nackten Dünenwand. In Spalten siedeln Moos und Waldgetier, und wo die Steile sich zum Strande neigt, sitzen Schwamm und graue Pilze; die sprießen nach den großen Nordwest-Stürmen aus den Hängen ... das Wasser in der Bucht bäumt sich empor, Wind- und Regenpeitschen treiben Wellenberge 241

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